Bürgerbus in Bienenbüttel fährt in Corona-Zeiten mit reduzierter Personenzahl

Eine Extra-Runde durch den Ort

Bernhard Böhnke engagiert sich eheramtlich als Fahrer des Bienenbütteler Bürgerbusses. Aufgrund der Corona-Auflagen darf er nur eine Person oder mehrere aus einem Haushalt mitnehmen. Foto: Lütke
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Bernhard Böhnke engagiert sich eheramtlich als Fahrer des Bienenbütteler Bürgerbusses. Aufgrund der Corona-Auflagen darf er nur eine Person oder mehrere aus einem Haushalt mitnehmen. Foto: Lütke

Bienenbüttel – Der Terminkalender des Bürgerbusses ist gut gefüllt. Fahrer Bernhard Böhnke hat einen eng getakteten Zeitplan. Nun hat er endlich Mittagspause. Bis er seine Gäste wieder einsammeln kann, nimmt er sich Zeit für ein Gespräch.

Das Telefon immer griffbereit, es könnte ja jemand einen Termin reservieren wollen. „Ich bin schon seit 8 Uhr morgens unterwegs“, erzählt er munter drauflos. „Heute ist sehr viel los und ich habe viele Fahrten durch die ganze Gemeinde. “.

Einwohner aus den vierzehn Ortsteilen abholen, in den Kernort fahren und wieder zurück nach Hause: Der Verein „Bürgerbus Bienenbüttel“ sorgt seit 2010 dafür, dass ältere und hilfsbedürftige Bürger in der Gemeinde mobil bleiben. Dabei fußt das Konzept auf dem Grundsatz „Bürger fahren Bürger“: Ehrenamtliche Fahrer engagieren sich, um Bürger, die nicht mehr selbst fahren können oder wollen, zu befördern. Und doch ist der Bürgerbus mehr als ein einfaches Transportmittel – es verbindet Menschen miteinander. „Ich bin 2016 in Rente gegangen und wollte noch etwas Sinnvolles machen, etwas zurückgeben“, erklärt Böhnke.

Plexiglasscheibe zum Schutz vor Corona

Nach der Corona-Pause hat sich beim Bürgerbus einiges verändert. Die Anzahl der Fahrten wurde reduziert. Dazu wurde ein spezielles Hygienekonzept entwickelt, das die Anforderungen erfüllt. „Wir haben eine Trennscheibe aus Plexiglas eingebaut, die den Fahrerbereich und die Rückbank trennt“, sagt der 67-Jährige.

Die Mitfahrer sitzen nur hinten und tragen grundsätzlich einen Mund-Nasen-Schutz. „Es werden nur Personen aus einem Haushalt befördert. Das bedeutet, dass wir fast nur einzelne Personen fahren“, so Böhnke. Nach jeder Fahrt wird der hintere Ein- und Ausstiegsbereich desinfiziert. Böhnke trägt selbstverständlich auch einen Mund-Nasen-Schutz.

„Leider dürfen wir den Fahrgästen nicht mehr beim Aussteigen helfen oder die Einkäufe ins Haus tragen“, bedauert er. Dabei sei gerade diese Hilfe sehr willkommen. „Wir hören oft: Sie sind mein Engel“, lacht Böhnke.

Soziale Kontakte durch den Bürgerbus

Für viele Fahrgäste habe der Bürgerbus eine besonders wichtige Funktion. „Die älteren Menschen, die allein in den weiter entfernten Dörfern leben, freuen sich auf die Fahrten. Sie kommen mal raus, treffen andere Menschen, erfahren Neuigkeiten. Oftmals ist das die einzige Möglichkeit, mal was Anderes zu sehen.“

Viele nutzten dann die Gelegenheit, neben dem Arztbesuch und den Einkäufen noch ein Tässchen Kaffee mit Nachbarn und Freunden zu trinken. „Für viele Menschen in der Gemeinde ist die Fahrt in den Ort das Highlight der Woche.“ Vor Corona gab es auch schon mal Gäste, die eine Runde extra mitgefahren sind, um mal wieder die anderen Dörfer der Gemeinde zu sehen und ehemalige Nachbarn oder Freunde zu treffen, die auch den Bus nutzen.

Böhnke fährt zweimal im Monat den „Bus“, der eigentlich ein größerer Wagen ist. „Meistens mittwochs und donnerstags.“ Da suchen sich einige Gäste auch schon mal genau diese Tage aus, um mitzufahren. „Die kennen mich schon und halten gerne mal einen Schnack. Das finde ich schön, so bleibt man in Kontakt zu Menschen.“

Manchmal fließen auch Tränen bei Fahrgästen

Böhnke hat aber auch schon erlebt, wie bei Fahrgästen die Tränen geflossen sind, beispielsweise wenn es beim Arzt keine guten Nachrichten gab. „Dann sind diese Menschen froh, wenn sie mal reden können. Man hört manchmal ganze Lebensgeschichten.“

Der Rentner weiß auch, wie wichtig zum Beispiel ein Frisörbesuch für ältere Damen sein kann. „Die möchten auch im Alter gut gepflegt sein. Das brauchen sie für ihr Wohlbefinden.“ Der Bürgerbus tourt erst seit Juni wieder durch die Gemeinde und wurde schmerzlich vermisst. „Wir wurden oft gefragt, wann wir wieder fahren und viele Gäste waren froh, als es wieder losging.“

Böhnke selbst möchte noch so lange hinter dem Steuer sitzen, wie es gesundheitlich geht, aber vor allem, solange es ihm Spaß macht. „Ich engagiere mich gerne und der Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen macht mir Spaß“, sagt Böhnke, bevor er wieder ins Auto steigt. Die Kaffee-Damen warten.

VON NICOLE LÜTKE

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