Ein Jahr mit nur wenigen Bildern

Wie der Steddorfer Fotograf Ulrich Niehoff durch die Corona-Pandemie kommt

Viele Aufträge verzeichnet Fotograf Ulrich Niehoff während der Corona-Pandemie nicht. Dennoch blickt der Steddorfer recht gelassen in die Zukunft, für die er bereits neue Pläne hat.
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Viele Aufträge verzeichnet Fotograf Ulrich Niehoff während der Corona-Pandemie nicht. Dennoch blickt der Steddorfer recht gelassen in die Zukunft, für die er bereits neue Pläne hat.
  • Florian Beye
    vonFlorian Beye
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Ulrich Niehoff sitzt entspannt in einem Sessel in seinem Wintergarten. Während des gesamten Gesprächs mit der AZ lächelt er, ist sogar zu Scherzen aufgelegt. Die Corona-Pandemie hat es nicht geschafft, ihm seine lockere und positive Art zu nehmen.

Steddorf – Dabei trifft die Krise den Steddorfer, der seit mehr als 30 Jahren als Fotograf selbstständig ist, beruflich ziemlich hart.

„Finanziell merke ich das natürlich“, erzählt Niehoff, der in seiner Laufbahn immer wieder verschiedene Schwerpunkte bei seiner Arbeit gesetzt hat. Zuletzt waren es Porträt- und Bewerbungsfotos sowie das Fotografieren von Hochzeiten. Keine Verordnung verbietet ihm, diese Bilder zu machen. Nur: Kunden gibt es während der Pandemie kaum. „Hochzeiten hatte ich im vergangenen Jahr gar keine“, berichtet der 59-Jährige. Auch die Zahl der Privatpersonen, die Porträt- oder Bewerbungsfotos machen lassen, sei um „mindestens 50 Prozent zurückgegangen“.

Keine Finanzspritzen von Bund oder Land

Ein weiterer Geschäftszweig: Mitarbeiter-Fotos in mittelständischen Unternehmen in der Region. Schwierig in Zeiten der Pandemie, in denen viele Arbeitnehmer im Homeoffice sitzen. „Wen sollte ich in einer Firma ablichten, wenn niemand da ist?“, nimmt Ulrich Niehoff das Wegbleiben zahlreicher Aufträge mit Galgenhumor.

Finanzielle Hilfen von Land oder Bund bekommt er nicht. Schließlich ist es ihm als Dienstleister nicht verboten, zu arbeiten. Andererseits sei er auch ein Stück weit Künstler, sagt Niehoff und beschreibt sich selbst als künstlerischen Handwerker. Dass er keine Unterstützung bekommt, sei „natürlich nervig“, sagt der Fotograf.

Unterkriegen lässt er sich aber nicht. Seine Frau Nadja ist Psychotherapeutin, hat aktuell mit diversen Videotherapien viel zu tun. „Ich unterstütze sie da im Hintergrund“, erzählt Ulrich Niehoff. Er übernimmt den Papierkram im Büro, kümmert sich um den Datenschutz und Ähnliches. „Ich habe aktuell quasi einen 450-Euro-Job bei meiner Frau“, sagt er.

Etwas Geld kommt zudem durch frühere Aufträge rein. Viele Jahre lang arbeitete Ulrich Niehoff nämlich freiberuflich für verschiedene Bildagenturen, Buch- und Zeitschriftenverlage. „Manchmal kommt dann eine Abrechnung aus China oder so, wenn eines meiner Agenturbilder veröffentlicht wurde“, berichtet Niehoff.

Bei den Kunden, die dann doch für Passbilder zu ihm kommen, habe es während der Pandemie so manche lustige Situation gegeben. Einige seien nämlich so vorsichtig, dass sie ihre Maske erst ganz kurz vor dem eigentlichen Fotoshooting abnahmen. „Manche hatten die Maske so eng, dass sie richtige Striemen im Gesicht hatten“, erinnert sich Ulrich Niehoff und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. „So konnten wir natürlich kein Bild machen.“

Es sind Anekdoten wie diese, die zeigen, dass er trotz der schwierigen Lage relativ entspannt ist. Für die Zeit nach der Pandemie hat Ulrich Niehoff auch schon Pläne. Ein nächster Schwerpunktwechsel könnte anstehen: „Ich möchte mein Wissen aus mehr als 30 Jahren Fotografie gerne weitergeben“, kündigt er an. Ihm schwebten Kurse vor, zum Beispiel zum Fotografieren mit dem Smartphone oder dem richtigen Umgang mit dem Kunden bei Porträtfotos.

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