Ministeirum schließt Gärtnerhof Bienenbüttel/Sprossen unter Verdacht

EHEC: Die Spur führt in den Kreis Uelzen

Das Unternehmen aus Bienenbüttel produziert und vertreibt verschiedene Sorten von Sprossen – seit gestern ist der Betrieb geschlossen.

Bienenbüttel-Steddorf. Uta Kaltenbach ist ratlos. Die Geschäftsführerin der Gärtnerhof Bienenbüttel GmbH sieht sich gestern mit einer Flut von Medienanfragen konfrontiert, denn ihr Betrieb im beschaulichen Bienenbütteler Ortsteil Steddorf steht in Verdacht, für den schweren Ausbruch der EHEC-Seuche in Deutschland verantwortlich zu sein.

Das Unternehmen produziert und vertreibt verschiedene Sorten von Sprossen – seit gestern ist der Betrieb geschlossen. „Der EHEC-Keim kommt im Darm von Wiederkäuern vor“, sagt Uta Kaltenbach gestern Abend im Gespräch mit der AZ. „Aber wir haben hier keine Wiederkäuer“, fügt sie hinzu und weist auf das Gelände hinter sich, das am Ende einer ruhigen Sackgasse inmitten eines Wohngebietes liegt.

Wie es überhaupt zu einer Verseuchung der Sprossen kommen könnte, das kann sich Uta Kaltenbach nicht erklären. Bislang gebe es noch keine positiven Befunde, sagt sie, sondern lediglich den Verdacht. Zwar gebe es noch keine Beweise dafür, dass der schwere Ausbruch der EHEC-Epidemie auf den Steddorfer Betrieb zurückzuführen ist.

„Die Indizienlage ist jedoch so eindeutig, dass das Ministerium empfiehlt, derzeit auf den Verzehr von Sprossen zu verzichten“, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminsiter Gert Lindemann gestern Abend in einer Pressekonferenz in Hannover. Sprossen waren vor Jahren in Asien Ursache für eine schwere EHEC-Epidemie. Mit gesicherten Erkenntnissen rechnet Lindemann heute.

Eine Mitarbeiterin des Betriebes in Steddorf soll nach Angaben des Ministers aber nachweislich an EHEC erkrankt sein. „Das ist für uns die plausibelste Erkrankungsursache“, so Lindemann. Dennoch sei nicht erkennbar, dass der Betriebsinhaber ein Verschulden an der Entwicklung trage. Der Gärtnerhof Bienenbüttel ist bis auf Weiteres geschlossen. „Wir dürfen nicht mehr liefern“, sagt Uta Kaltenbach, ein Lieferwagen sei vom Großmarkt in Hamburg zurückgekommen, „mehr wissen wir im Moment auch nicht“, sagt sie.

Das Steddorfer Unternehmen beliefert für den Endverbraucher nicht nur Wochenmärkte, Gemüsehandel und Lebensmittelgeschäfte mit den Sprossen, sondern auch den Hamburger Obst- und Gemüsegroßmarkt für Gastronomie und Großverbraucher. 18 Sprossenmischungen sind laut Landwirtschaftsministerium verdächtig. Einige davon kommen aus dem Ausland. Unklar ist bislang, ob noch EHEC-verseuchte Ware im Handel ist. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, heißt es seitens des Landwirtschaftsministeriums, „dass die mit dem EHEC-Erreger kontaminierte Ware bereits vollständig verarbeitet und verkauft wurde“.

21 Menschen sind seit Ausbruch der Epidemie an den Folgen der EHEC-Infektion gestorben. Bundesweit sind bislang 1526 EHEC-Fällte bekannt, 627 von ihnen sind schwer erkrankt – bei ihnen wurde das gefährliche hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) diagnostiziert. Die Kliniken in Norddeutschland arbeiten am Rande ihrer Kapazitäten. So gibt es bereits an den Kliniken in Hamburg und Bremen Engpässe in der Versorgung, fehlende Kapazitäten werden von umliegenden Kliniken bereitgestellt.

Von Ines Bräutigam und Thomas Mitzlaff

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