Unklar, wie sich das Kind ansteckte / Kita informiert

EHEC-Schock: Junge (5) aus Melbeck infiziert – Erinnerungen an Epidemie 2011

+
Ehec ist ein oft sehr ansteckender, aggressiver Erreger und eine Sonderform der Kolibakterien. Der schwere Verlauf einer Erkrankung endet in etwa zwei Prozent der Fälle tödlich.

EHEC – seit der Epidemie im Jahr 2011 in Deutschland mit 53 Toten ist der Erreger bundesweit gefürchtet. Jetzt hat sich ein fünfjähriger Junge aus Melbeck im Kreis Lüneburg mit dem gefährlichen Keim infiziert, er wurde zwischenzeitlich in eine Hamburger Spezialklinik verlegt.

Melbeck. „Die Infektionsquelle konnte bislang noch nicht identifiziert werden“, erklärt dazu das Niedersächsische Gesundheitsministerium auf AZ-Anfrage.

Passend dazu: EHEC: "Wir sind froh, dass es vorbei ist" (AZ-Archiv)

Mit dem Fall beauftragt ist das Lüneburger Gesundheitsamt. Dort betreut man auch die Angehörigen des Jungen und die Kindertagesstätte, die der Fünfjährige besucht. „Wir informieren die Kitaleitung und die Elternvertretung über den richtigen Umgang mit der Thematik“, erläutert eine Sprecherin des Landkreises Lüneburg. Von Kontaktpersonen des Jungen wie Familie und Freunde wurden Stuhlproben entnommen; bis das Ergebnis vorliegt, dürfen die Bekannten und Verwandten keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kitas oder Altersheime besuchen.

Der große EHEC-Ausbruch im Jahr 2011 hatte Behörden und Krankenhäuser in Atem gehalten, wochenlang suchte man vergeblich nach dem Auslöser und hatte zwischenzeitlich fälschlicherweise auch Gurken und Tomaten aus Spanien im Visier. Auch ein Hof aus dem Landkreis Uelzen, an den ägyptische Bockshornkleesamen geliefert wurden, stand zwischenzeitlich unter Verdacht – ganz geklärt wurde das aber nie.

Eine Epidemie wie 2011 blieb die Ausnahme, der Erreger ist aber bis heute präsent. Allein in Niedersachsen zählten die Behörden in diesem Jahr bereits 74 EHEC-Fälle, 2017 waren es 257. In den USA sind in den vergangenen Wochen fünf von 197 mit EHEC-Erregern infizierte Menschen gestorben.

35 US-Bundesstaaten sind mittlerweile vom Ausbruch betroffen, Auslöser soll ein Römersalat sein.

Von Thomas Mitzlaff

EHEC – wie kann man sich schützen?

Der EHEC-Erreger gehört laut WHO zu den gefährlichsten Keimen überhaupt. Bereits wenige Mikroben reichen, um ein Gift zu produzieren, das Darm- und Nervenzellen zerstört. Werden die Symptome nicht behandeln, kann es zu tödlicher Blutarmut oder Nierenversagen kommen. Laut Robert-Koch-Institut gibt es jährlich bis zu 1200 Erkrankungen, die aber zumeist glimpflich verlaufen. EHEC wird oft beim Verzehr von rohem Fleisch, frischer Milch oder Rohkost übertragen. Daher sind bei der Essenszubereitung Hygienemaßnahmen wie das Abspülen von Messern und Schneidebrettern mit heißem Wasser und intensives Händewaschen wichtig.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare