Aus Sicht der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch bleiben viele Fragen offen

EHEC: Der Gärtnerhof als Bauernopfer?

+
Schwere Vorwürfe: Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von Foodwatch.

Allerdings wurde auf 1000 Proben kein einziges Mal der EHEC-Erreger nachgewiesen. Einziges Indiz war eine aufgebrochene und im Kühlschrank vergessene Packung mit Steddorfer Sprossen eines Erkrankten.

Am 26. Juli 2011 erklärte das Robert-Koch-Institut den Ausbruch für beendet. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch warf der Bundesregierung vor knapp einem Jahr in einer Studie mit dem Titel „Im Bockshorn“ vor, die Bevölkerung getäuscht zu haben.

Höchstens 500 von insgesamt mehr als 3800 Krankheitsfällen seien aufgeklärt worden, 87 Prozent der gemeldeten Fälle ohne Klärung der Ansteckungsursache zu den Akten gelegt worden. Das gehe aus den Unterlagen des Robert-Koch-Instituts hervor. Foodwatch zweifelt auch an, dass der Gärtnerhof Bienenbüttel tatsächlich Ausgangspunkt der Epidemie war: „Bei bestenfalls 13 Prozent aller EHEC-Erkrankungen haben die Behörden eine Spur auf den Sprossenhof identifiziert. Das reichte offensichtlich aus, um diesen der Öffentlichkeit als Verursacher der EHEC-Krise zu präsentieren“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt und sprach in diesem Zusammenhang von einem Bauernopfer zur Beruhigung der verunsicherten Bevölkerung. Sein Fazit: „Der weltweit größte EHEC-Ausbruch ist nicht aufgeklärt.“ Damit vergrößere sich das Risiko einer neuen Epidemie.

Foodwatch forderte damals eine Verkürzung der Meldefristen für die Behörden. Manchmal dauerte es zehn Tage, bis die Information über Neuerkrankungen das Robert-Koch-Institut erreichten. „Bereits 3500 Menschen hatten sich mit EHEC angesteckt – ohne dass das gesetzlich vorgeschriebene Meldeverfahren etwas Auffälliges registriert hatte“, mahnte Foodwatch. Das Frühwarnsystem für die Erkennung von Krankheitsausbrüchen habe nicht funktioniert.

„Der weltweit größte EHEC-Ausbruch ist nicht aufgeklärt.“

Weiterhin mahnte Foodwatch eine bessere Rückverfolgbarkeit und strengere Kontrollen bei Rohkost-Erzeugnissen wie Sprossen, Kresse und geschnittenen Salaten an.

Das Robert-Koch-Institut wies die Vorwürfe umgehend zurück. Es sei absolut normal, dass bei Lebensmittelinfektionen nur ein Teil der Patienten tatsächlich befragt werden könne.

stk Steddorf. Von Mai bis Juli 2011 versetzte EHEC, ein aggressiver Typ eines weitverbreiteten Lebensmittelkeims, Norddeutschland in Schrecken. 53 Patienten starben. Ausgangspunkt der Epidemie, war aus Sicht des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums der Gärtnerhof in Steddorf, der Bockshornkleesamen aus Ägypten zu Sprossen verarbeitet hatte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare