Spur führte nach Bienenbüttel

EHEC-Epidemie: Zehn Jahre danach

Ehec-Erreger wurden in Sprossen gefunden.
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Vor zehn Jahren wurden Sprossen von einem Biohof in Bienenbüttel für die EHEC-Epidemie verantwortlich gemacht.
  • Daniel Bieling
    vonDaniel Bieling
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Bienenbüttel/Oldenburg (dpa/dab) - Vor zehn Jahren gab es schon einmal Seuchenalarm: Tausende Menschen in Norddeutschland erkrankten an Magen und Darm, es gab über 50 Tote. Die Behörden mussten lange nach dem Auslöser suchen. Die Spur führte nach Bienenbüttel.

Zehn Jahre nach der EHEC-Epidemie mit 53 Toten sieht die niedersächsische Lebensmittelaufsicht den Schutz vor den gefährlichen Erregern verbessert. Als Ursache schwerer Magen-Darm-Krankheiten waren damals verunreinigte Sprossen ausgemacht worden. „Nach dem EHEC-Ausbruch 2011 sind verstärkt auch pflanzliche Produkte in den Fokus gerückt und werden häufiger kontrolliert“, teilte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Oldenburg mit.

Die EU habe die regelmäßige Untersuchung von Sprossen in ihre Verordnung über mikrobiologische Kriterien für Lebensmittel aufgenommen. „Außerdem sind Sprossenhersteller seither zulassungspflichtige Betriebe.“

Die Durchfallerkrankungen von 2011 wurden durch den Stamm O104:H4 des Bakteriums Escherichia coli (EHEC) ausgelöst. Von Anfang Mai bis Ende Juli erkrankten nach Zählung des Robert-Koch-Instituts (RKI) 2987 Menschen an akuter Gastroenteritis. Weitere 855 Menschen litten unter dem gefährlichen HUS-Syndrom mit Nierenversagen und gestörtem Blutbild. Betroffen war vor allem Norddeutschland, doch einzelne Fälle kamen auch in allen anderen Bundesländern und im Ausland vor.

Rückverfolgung führt nach Bienenbüttel

Bei der Suche nach der Quelle der Epidemie warnten die Behörden davor, rohe Gurken, Tomaten oder Blattsalat zu verzehren. Zeitweise stoppten einige Bundesländer den Import spanischer Gurken. Dann konnte das Laves das vom EHEC-Bakterium gebildete Gift Shigatoxin in einer Probe Sprossen nachweisen. Die Rückverfolgung der Lieferketten von Sprossen führte zu einem Biohof in Bienenbüttel.

Dort wurde der Betrieb gestoppt und alles untersucht, allerdings ließ sich der Erreger auf dem Hof nicht mehr nachweisen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kam zu dem Schluss, dass die Verunreinigung über Bocks-hornkleesamen aus Ägypten eingeschleppt worden sei. Der Hof hatte lange mit den Auswirkungen zu kämpfen. Im Juni 2011 sperrte der Landkreis Uelzen den Betrieb, sechs Wochen lag er in Quarantäne. 90 Prozent der Umsätze brachen weg.

Nach Laves-Angaben ist EHEC weiterhin verbreitet. In den vergangenen Jahren sei der Erreger in Rohmilch, Rohkäse, Roggenmehl und Feldsalat, aber auch in Kälbern gefunden worden. Sprossen waren nicht betroffen. Gerade Rohmilch müsse für Verbraucher gekennzeichnet sein, weil sie mit vielen krankmachenden Keimen belastet sein könne, hieß es im Landesamt. Erkrankungen durch EHEC blieben aber Einzelfälle. Im Bericht zu lebensmittelbedingten Erkrankungen für 2019 zählte das RKI 7 EHEC-Ausbruchsorte mit 16 Patienten. So erregte auch der Fall des Varendorfer Kindes Nils Göthlich, der 2019 an EHEC erkrankte, für Aufsehen. Nils war damals erst drei Jahr alt und befindet sich bis heute in Behandlung.

Mit Corona will das Landesamt die EHEC-Epidemie nicht vergleichen. „Im Jahr 2011 handelte es sich um einen – wenn auch sehr großen – lebensmittelbedingten Krankheitsausbruch, wohingegen die Covid-19-Erkrankung zu einer Pandemie geführt hat“, sagte Laves-Präsident Eberhard Haunhorst. Das Coronavirus verbreite sich nicht über Lebensmittel, sondern durch die Luft. „Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist damit relativ gut möglich.“

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