Wo die Dreschtrommel sanfter schlägt

Edendorfer Landwirt Christoph Richter berichtet von seiner zweiten Dinkelernte

Der Edendorfer Landwirt Christoph Richter baut auf etwa neun Hektar Fläche Dinkel an. Das Mehl, das daraus später entsteht, verarbeitet die benachbarte Bäckerei Oetzmann. Die AZ hat den Landwirt bei der Dinkelernte besucht.
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Der Edendorfer Landwirt Christoph Richter baut auf etwa neun Hektar Fläche Dinkel an. Das Mehl, das daraus später entsteht, verarbeitet die benachbarte Bäckerei Oetzmann. Die AZ hat den Landwirt bei der Dinkelernte besucht.

Edendorf – Das vier Meter lange Messer bewegt sich blitzschnell hin und her, während der Mähdrescher sich seinen Weg durch das Feld nahe Edendorf bahnt. Die silberne Einzugsschnecke zieht die abgeschnittenen Halme ins Innere des mächtigen Gefährts.

Fast direkt unter der Fahrerkabine schlägt die Dreschtrommel die Körner raus – mit 1150 Umdrehungen pro Minute.

Die richtige Einstellung der Dreschtrommel sei für die Dinkelernte entscheidend, erklärt Christoph Richter: „Sie muss sanfter arbeiten als bei anderen Getreidesorten.“ Denn: Bei der Dinkelernte bleibt das eigentliche Korn in den Spelzen. Für den Edendorfer Landwirt ist es die zweite Dinkelernte überhaupt. Im vergangenen Jahr hatte er auf sieben Hektar Fläche Dinkel für die benachbarte Bäckerei Oetzmann angebaut. In diesem Jahr hat er die Fläche auf neun Hektar erhöht. „Die Nachfrage ist da“, sagt Christoph Richter.

Kleines Zeitfenster für die Ernte

Rund 75 Tonnen Rohware wird er in diesem Jahr ernten. „Davon nimmt der Müller dann später etwa 30 Prozent weg, weil die Körner aus den Spelzen gepult werden“, weiß der Landwirt zu berichten. Nach der Ernte wird der Dinkel zunächst eingelagert und dann – je nach Bedarf der Edendorfer Bäckerei – in einer Mühle in Oldendorf/Luhe zu Mehl verarbeitet.

Der Mähdrescher im Einsatz.

Die große Herausforderung bei der Dinkelernte ist es, den exakt richtigen Zeitpunkt zu treffen. „Natürlich gibt es für andere Getreidesorten auch jeweils ein Zeitfenster für die Ernte“, weiß Christoph Richter, „aber beim Dinkel ist es ein besonders kleines Zeitfenster.“ Wenn die Pflanze zu weit durchgereift ist, mache man bei der Ernte alles kaputt, weil „es dann zu bröselig ist“. Ist es im späten Reifeprozess zu feucht, kann es auch passieren, dass der Dinkel schon wieder neue Keime setzt. „Weizen kann das alles ein bisschen besser ab.“

Nach zwei Bahnen auf dem Feld leert der Landwirt den Korntank des Mähdreschers aus. Er macht einen zufriedenen Eindruck. „Heute ist optimales Wetter“, sagt er am Dienstagnachmittag. Auf Nachfrage der AZ, wie lange er an diesem Tag wohl noch mähen werde, antwortet Christoph Richter: „Solange wie es geht, das kann durchaus mal bis 2 oder 3 Uhr nachts dauern.“

Die Idee für den Dinkelanbau entstand an einem Abend vor gut zwei Jahren, als Richter mit den beiden Bäckermeistern Georg Oetzmann und Marten Zaiser bei einem Bier zusammensaß. „Dinkel ist ein sehr ursprüngliches Getreide“, erklärt Richter. Er kenne keinen konventionellen Landwirt in der Region, der auch Dinkel anbaut. „Das sind ausschließlich Bio-Betriebe.“ Dinkel sei viele Jahre lang wenig angebaut worden. „Es war relativ tot, kommt aber jetzt mit Macht zurück“, betont Richter.

Lokale Kooperation als Win-Win-Situation

Dinkel ist voll im Trend. Auf Biohöfen ist der Anbau seit Jahren wieder etabliert. „Dinkel ist gesünder als zum Beispiel Weizen“, sagt Bäckermeister Georg Oetzmann. Mehr Vitamine und bessere Verdaulichkeit seien Pluspunkte.

Die regionale beziehungsweise lokale Kooperation sei für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation. „Christoph verdient besser daran, der Müller verdient daran und wir können damit werben“, sagt Oetzmann, dem die Arbeit mit dem benachbarten Landwirt zudem „riesig Spaß“ mache.

Zuvor bezog die Bäckerei ihr Dinkelmehl über einen Großhandel, angebaut wurde das Getreide unter anderem in Baden-Württemberg. „Für uns ist der lokale Anbau sehr wichtig“, betont Oetzmann. Denn so biete sich die Möglichkeit, das Getreide nach Bedarf immer frisch mahlen zu lassen, ohne dass es lange liegt und mit Ascorbinsäure versetzt werden muss. VON FLORIAN BEYE

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