Ein Dorf ist für Kunst entflammt und zusammengewachsen

Edena – die ganz besondere Ruine

Clemens Botho Goldbach vor seinem Kunstwerk Edena, einer romantischen Ruine aus vorgefundenen Materialien. Foto: Kögö

Bienenbüttel-Edendorf. . Wenn die Edendorfer von sich behaupten, sie seien steinreich, dann tun sie das mit einem Augenzwinkern und eingedenk der Feldsteine, die die Pfüge auf den Äckern rund ums Dorf immer wieder zutage fördern.

Und als sie im vergangenen Jahr vom Projekt „Kunst fürs Dorf – Dörfer für die Kunst“ der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft lasen, waren sie schnell mit einer Bewerbung dabei.

Mit Clemens Botho Goldbach fanden sei einen Künstler, der sich auf ihre Vorgabe, sich des Themas „Steine“ anzunehmen, einlassen wollte. Was Clemens, wie alle im Dorf ihn vom ersten Tag an nennen, ihnen jetzt am Sonnabend übergeben hat, sind sie mehr als zufrieden. Edena, so der der Name der künstlichen und künstlerischen Ruine, ist komplett aus vorgefundenen Materialien gebaut worden: Zwischen 4500 und 5000 Ziegelsteine aus zuvor abgerissenen landwirtschaftlichen Gebäuden und aus der Mauer, die den Basse-Hof umgab, sind verbaut worden, dazu Feldsteine in großer Zahl und sogar ein Stück der „historischen“ Betonstraße, die bis vor kurzem nicht eben eine Zierde des Dorfes war, hat hier ihren Platz gefunden. Alles unter tatkräftiger Mithilfe der Edendorfer.

„Alle bisherigen Arbeiten habe ich hinter verschlossener Tür entwickelt“, erklärt Goldbach. „Das war hier vom ersten Tag an anders: Ich habe versucht, die Ateliertür immer offen zu halten und täglich auf dem Dorfplatz zu sein.“ Mit der durchaus erwünschten Folge, dass die Edendorfer sich in seine Entwürfe eingemischt haben. Als sich herausstellte, dass Goldbachs erster Entwurf, der sich an das Gemälde „Eldena“ von Caspar David Friedrich anlehnte, aus statischen Gründen nicht realisiert werden konnte, schlug Goldbach vor, das ganze eine Nummer kleiner zu bauen. „Kommt nicht in Frage“, erklärten die Edendorfer. Sie wollten die über fünf Meter hohen Türme auf ihrem Dorfplatz haben und dafür lieber auf den Spitzbogen verzichten, der sich zwischen ihnen spannen sollte. An seiner Stelle sollen demnächst Rosen an Edena klettern und, wenn sie denn sie Höhe schaffen, oben die Verbindung zwischen den Türmen herstellen.

„Auf solche Diskussionen muss man sich ja als Künstler erst mal einlassen können“, sagt der Kurator des Projekts, Thomas Hauck, der einmal im Monat den Fortschritt vor Ort begutachtet hat. „In Edendorf hat es nie Probleme gegeben. Über mangelndes Kunstinteresse kann sich hier kein Künstler beklagen.“

Und auch Stephan Lütgert, Geschäftsführer der Stiftung, gesteht, dass seine Erwartungen hier übertroffen worden seien. „Der Künstler hat mit den Edendorfern Glück gehabt – und umgekehrt. Das ist schon modellhaft für das Gesamtprojekt.“ Ein Kompliment, das die Edendorfer gerne aufnehmen: „Wir haben ihm gerade eine Einladung nach Berlin zur Grünen Woche aus dem Kreuz geleiert, wo wir das Projekt vorstellen wollen“, freut sich Michaela Lindner und betont nochmals, dass „die Dorfgemeinschaft enorm zusammengewachsen“ sei in den vergangenen 26 Wochen, in denen man an diesem „maßgeschneiderten Kunstwerk“ gemeinschaftlich gearbeitet hat.

14 Tage Restarbeiten seien noch zu erledigen, schätzt Goldbach, einige Pflasterarbeiten etwa. Um alles weitere, die Rosen beispielsweise und um die Beleuchtung, für die die Helfer die Kabel bereits eingezogen haben, werden sich die Edendorfer alleine kümmern müssen. Aber er verspricht, dass er ab und an wieder zurückkommen werde.

Allein schon wegen der vielen Gutscheine, die ihm die Edendorfer am ersten Tag im Dorf geschenkt haben und die er gar nicht alle hat einlösen können. Wie lange die denn gelten, möchte er wissen. „Wir haben hier Landrecht“, entgegnet ihm Ortsvorsteher Hans-Jürgen Franke, „da gibt’s keine Verjährungsfristen.“

Von Jürgen Köhler-Götze

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