Produktion von Vio in Lüneburg wächst / Unternehmen plant jetzt weiteren Brunnen nördlich der Stadt

Der Durst von Coca-Cola wächst

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Das Mineralwasser hat das Coca-Cola-Werk in Lüneburg gerettet. Im vorigen Jahr wurden 270 Millionen Liter Getränke der Marke Vio abgefüllt, Tendenz steigend. Deshalb plant das Unternehmen jetzt einen dritten Brunnen nördlich von Lüneburg.

Lüneburg/Vögelsen. Ohne das Wasser gäbe es Coca-Cola in Lüneburg nicht mehr. Das Werk produzierte vor allem Einwegpackungen. Als das Dosenpfand kam, brach der Umsatz ein.

Der Standort Lüneburg stand kurz vor der Schließung – da besann man sich auf einen alten Brunnen auf dem Gelände in der Goseburg.

Eine neue Marke wurde 2006 kreiert: Vio. Seitdem geht es aufwärts. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von damals 70 auf heute 223. Ein zweiter Brunnen im Lüner Holz wurde 2015 in Betrieb genommen (AZ berichtete). Jetzt plant das Unternehmen eine dritte Förderstelle im Norden, zwischen den Dörfern Vögelsen und Mechtersen. Die Fördergenehmigung soll damit von jetzt 350 000 Kubikmeter jährlich auf 700 000 Kubikmeter verdoppelt werden. Über eine sechs Kilometer lange Leitung soll das leicht mineralisierte Grundwasser zur Produktionsstätte gepumpt werden.

Die Anwohner sind skeptisch. Sie fürchten, dass die Wasserentnahme in etwa 120 bis 250 Metern Tiefe für Natur und Landwirtschaft Folgen haben könnte, etwa auf Moore oder auf die Brunnen für die Feldberegnung.

„Die Tonschicht, von der wir vermuten, dass sie mehrere Zehner Meter dick ist, sorgt dafür, dass wir keine Beeinflussung oberhalb haben“, sagt Projektleiter Dieter Reckermann auf AZ-Nachfrage. Wenn Wasser abgepumpt werde, ströme Grundwasser in demselben Grundwasserhorizont nach. „Wir nehmen von dem Wasser, das unten strömt, ein bisschen raus“, so der Projektleiter.

Konzern-Sprecherin Marlen Knapp betont: „Wir haben verstanden, dass das den Menschen wichtig ist und dass sie Sorgen haben.“ Die beantragte Fördermenge mache tatsächlich nur zwei Prozent der insgesamt in diesem Grundwasserfeld „Ilmenau Lockergestein West“ genehmigten Entnahmen aus. Eine Beeinträchtigung sei auszuschließen. Dennoch habe man den geplanten Standort verschoben, auf einen Abstand zur nächsten Wohnbebauung von über 1,5 Kilometern.

Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wird nach Bohrung des Brunnens mehrere Tage die volle Menge abgepumpt, um den Nachweis der Verträglichkeit zu führen. Zusätzlich ist ein Netz zahlreicher Messstellen geplant. Sie dienen der Überwachung der Grundwasserhorizonte.

Von Gerhard Sternitzke

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