Mähdrescher bleiben wegen Regen in der Scheune

Durchwachsene Erntebilanz im Kreis Uelzen

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Die diesjährige Getreideernte – hier ein Mähdrescher bei Tätendorf – wurde immer wieder von Niederschlägen unterbrochen. Die Landwirte im Landkreis Uelzen warten darauf, die letzten Flächen zu mähen. Fotos: Sternitzke

Bornsen. Landregen in Bornsen. Ohne Unterlass trommeln die Tropfen auf das Blechdach von Landwirt Heinrich Hellbrügge in Bornsen bei Bienenbüttel. Im hohen Bogen prasselt das Wasser von der Scheune auf das Kopfsteinpflaster des Bauernhofs.

Der Bornsener Landwirt Heinrich Hellbrügge mit dem bereits geernteten Weizen im Silo. Er hat noch 40 Hektar Getreide auf den Feldern, die wegen des Regens bislang nicht gemäht werden konnten.

In der Scheune lagern Gerste und Weizen in den Silos, zwischen denen ein Steg in schwindelnder Höhe hindurchführt. Das ist die diesjährige Ernte. Ein Teil der Silos ist wegen des vielen Regens noch leer. Der Mähdrescher, den Hellbrügge sich mit zwei Berufskollegen teilt, steht untätig daneben. 40 von 130 Hektar Roggen, Weizen und Hafer hat Hellbrügge noch nicht mähen können. „Für das, was draußen steht, sieht es schlecht aus“, meint Hellbrügge. Teilweise hat sich der Weizen durch die Feuchtigkeit schon gelegt. Jetzt droht Befall durch Schimmelpilze. Im schlimmsten Fall, wenn die Körner auf dem Halm keimen, ist das Getreide dann nur noch als Futter für die Biogasanlage zu gebrauchen.

Kommt, wie vorhergesagt, am Donnerstag wieder die Sonne raus, dann kann Hellbrügge die restliche Ernte innerhalb von zweieinhalb Tagen einfahren. „Zwei Tage Sonne und Wind reichen.“

Hellbrügge rechnet mit einer etwas geringeren Ernte als im Vorjahr, denn die extreme Hitze machte auch den Getreidepflanzen das Leben schwer. „Das Getreide ist notreif geworden durch die Hitze. Die Körner sind kleiner“, erklärt der Landwirt, der seinen Hof im Juli an seinen Sohn übergeben hat. Für zusätzlichen Stress sorgt die Tatsache, dass Raps, Roggen und Weizen zur selben Zeit reif werden.

Mit ihrer Ernte müssen die Bauern am Weltmarkt bestehen. Die Preise schwanken. Im Moment liegen sie auch wegen des russischen Importstopps etwa zehn Prozent unter den Vorjahreswerten. Für den Doppelzentner Roggen (100 Kilo) bekommt Hellbrügge 13,50 Euro, 17 Euro für den Weizen. Die Bauern haben zwei Möglichkeiten, sich gegen Tiefpreise abzusichern: Einen Teil seiner Ernte hat Hellbrügge schon vor einem halben Jahr per Vorkontrakt verkauft. Und den Inhalt seiner Silos kann er auf den Markt bringen, wenn die Preise wieder steigen.

„Als Landwirt muss man mit dem Wetter arbeiten“, sagt der Kreisvorsitzende des Bauernverbands Thorsten Riggert. „Der Regen hilft uns im Bereich Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben.“

Laut Deutschem Bauernverband ist die Ernte im Bundesdurchschnitt um elf Prozent auf 46,5 Millionen Tonnen eingebrochen. Dabei gab es große Unterschiede. Landwirte in der Mitte Deutschlands mussten Einbußen von bis zu 50 Prozent einstecken. Ihre Kollegen im Kreis Uelzen konnten Trockenphasen durch die Feldberegnung ausgleichen.

Von Gerhard Sternitzke

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