Nutzer sehen auf dem Smartphone, wie die „Großstadt“ um 1600 aussah und wie sie sich entwickelte

Per App durchs frühere Lüneburg

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Das Modell von Lüneburg um das Jahr 1600 ist Grundlage der neuen „App nach 1600“ des Salzmuseums. Die Nutzer können ihren Standort vor 400 Jahren aus der Vogelperspektive betrachten. 

Lüneburg. Das Smartphone macht’s möglich. Der Nutzer kann sich die Restaurants in der Nähe seines Standorts anzeigen lassen, Bewertungen zu einem Geschäft lesen oder den Weg zum Rathaus suchen.

Künftig kann er beim Gang durch die Lüneburger Altstadt auch in die Vergangenheit eintauchen. Auf seinem Display sieht er aus der Vogelperspektive auf seinen Standort vor 400 Jahren und erhält Informationen sowie Bilder zu dem Gebäude, vor dem er steht. Alles, was er für seine Zeitreise benötigt, ist ein kleines Programm. Die „App nach 1600“ des Deutschen Salzmuseums wird am Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt.

Hilke Lamschus

Basis der Applikation ist das auf einem alten Stich basierende Stadtmodell, das in dem Museum steht. Seit dem Lüneburger Hansetag 2012 können die Besucher bereits über ein Display im Museum verschiedene Teile der Stadt ansteuern. „Das hab’ ich mir in Kanada in einem Stadtmuseum abgeguckt“, verrät Leiterin Hilke Lamschus. Seit 2012 gibt es außerdem die „App nach Lüneburg“, die Smartphone-Nutzern Informationen zu einzelnen Gebäuden gibt. Diese Funktionen werden in der neuen Funktion verknüpft.

Entstanden ist die App in Zusammenarbeit mit der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen. Glück für das Museum: Professor Andreas Heinecke, gebürtiger Lüneburger, ist zweiter Vorsitzender des Förderkreises Industriedenkmal Saline Lüneburg. Ein Student der Medieninformatik hat die App im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit erstellt. Kosten dafür: keine. Ein Fotograf hatte zuvor das Stadtmodell für die Anwendung minutiös abfotografiert.

So ist es nun möglich, dass Neugierige sich anhand der Stadt um 1600 durch das heutige Lüneburg bewegen. „Lüneburg hat sich wenig geändert. Die Straßenzüge sind überwiegend erhalten“, betont Hilke Lamschus. So erlebt der Nutzer, wie die Stadt einmal aussah und wie sie sich verändert hat.

„Sie lernen“, so die Museumsleiterin, „dass Lüneburg um 1600 eine gut funktionierende Stadt war. Lüneburg hatte gut 14 000 Einwohner und galt damit als Großstadt.“ Sie alle lebten in drangvoller Enge innerhalb des damaligen Mauerrings, bis der um 1900 beseitigt wurde. Anhand der einzelnen Texte erfährt man weiter, dass der Wohnort viel mit dem sozialen Status zu tun hatte. Die reichen Patrizierfamilien wohnten nahe an der Macht, am Rathaus, in der Bäckerstraße, die sprichwörtlich kleinen Leute in der Nähe der Mauer.

Wem das zu viel Information ist beim Gang durch die Stadt, der kann das Programm auch zu Hause nutzen. „Ich glaube, man kann Stunden damit auf dem Sofa verbringen“, sagt Hilke Lamschus.

Wer das Betriebssystem Android auf dem Smartphone hat, kann die App bei Googleplay herunterladen. Eine Version für IOS ist noch in Arbeit und soll im Frühjahr 2018 zur Verfügung stehen.

Vielleicht bringt die App auch neue Besucher in das Salzmuseum, hofft die Leiterin: „Andere geben Bleistifte raus, wir geben eine App.“

Von Gerhard Sternitzke

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