Immer mehr Landwirte setzen vor dem Mähen ihrer Flächen auf Unterstützung durch Jäger

Drohne rettet drei Rehkitze in Steddorf

Die Drohne hebt ab und wird gleich in etwa 40 bis 60 Metern Höhe die Wiese überfliegen. Jäger Jorin Kleimann überwacht das Wärmebild-Display vom Wiesenrand aus.
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Die Drohne hebt ab und wird gleich in etwa 40 bis 60 Metern Höhe die Wiese überfliegen. Jäger Jorin Kleimann überwacht das Wärmebild-Display vom Wiesenrand aus.

Steddorf – Mit einem kräftigen Surren setzen sich die Rotoren des Quadrocopters in Bewegung.

Eines der drei gefundenen Rehkitze, die vor dem Mäher gerettet werden konnten.

Schnell steigt die Drohne in die Luft und fliegt – ferngesteuert von Jäger Jorin Kleimann aus Beverbeck – in einer Höhe von 40 bis 60 Metern über die grüne Wiese nahe Steddorf. Kleimann und der Steddorfer Landwirt Andreas Meyer stehen am Wiesenrand und schauen konzentriert auf ein Schwarz-Weiß-Display. „Je dunkler der Punkt ist, desto wärmer ist es an der jeweiligen Stelle“, erklärt Kleimann. Das deutet auf Lebewesen hin.

Rund 15 Hektar Grünland überfliegt er an diesem Morgen mit der Drohne – auf der Suche nach Rehkitzen, die sich im dichten Grün versteckt haben und vor dem Mähen der Fläche umgesetzt werden sollen. „Die Akzeptanz auf Seiten der Landwirte wird immer größer, dass man eine Fläche absucht, bevor man sie mäht“, erklärt der Beverbecker. Dabei sei die Drohne aus seiner Sicht die effektivste Methode, pflichtet Andreas Meyer bei: „Das mache ich in diesem Jahr zum ersten Mal, zuvor habe ich auch schon andere Methoden ausprobiert.“

Drei Rehkitze und mehrere Hasen

Andreas MeyerLandwirt aus Steddorf

Rund eine Stunde sind die beiden unterwegs, um die 15 Hektar Fläche zu überfliegen. Fündig werden sie dabei mehrmals: Drei Rehkitze liegen gut versteckt im hohen Gras, dazu ein paar Hasen. „Natürlich könnte man auch zu Fuß die ganze Wiese absuchen, aber die Drohne erleichtert das“, sagt Jorin Kleimann. Denn die als sehr warm angezeigten Punkte auf dem Wärmebild können im Anschluss gezielt zu Fuß angesteuert werden. Zum Umsetzen der Rehkitze werden Hygienehandschuhe getragen, dazu dicke Grasbüschel in die Hand genommen, „damit die Rehkitze keinen menschlichen Geruch annehmen“, erläutert Kleimann. Anschließend werden die Kitze an den Waldrand gebracht. Dort finden Ricke und Kitz schnell wieder zusammen. „Das Kitz gibt dann bestimmte Laute von sich“, weiß Kleimann.

Seit einiger Zeit macht er nun schon diese Drohnenaufnahmen ehrenamtlich im Bekanntenkreis auf Gemeindeebene. „Das wird immer mehr nachgefragt“, berichtet Kleimann, der als Informatiker auch die Technik der Drohne interessant findet. Es gebe viele Landwirte, die ihre Flächen vor dem Mähen mit der Drohne absuchen lassen – und auch viele, die genau das anbieten. „Morgens ist es deutlich einfacher“, gibt Kleimann einen Tipp. Denn zum Beispiel Steine können sich im Laufe des Tages durch das Sonnenlicht stark erhitzen und so für irreführende Wärmebilder sorgen.

Tiere zu schützen, ist eine Frage der Ethik

„Ich kenne keinen Landwirt, der sein Grünland mäht und nicht versucht, die Tiere da vorher rauszuholen“, betont Andreas Meyer, „es geht schließlich darum, ein Lebewesen zu schützen.“ Für ihn gehöre das einfach zum respektvollen Umgang mit der Natur dazu: „Das ist eine Frage der Ethik.“

Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass „es schon einmal vorgekommen ist, dass man ein Rehkitz beim Mähen erwischt“ habe. „Das ist einfach nicht schön“, sagt der Steddorfer Landwirt, der sich über die gelungene Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Jägerschaft freut.

VON FLORIAN BEYE

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