Betriebe sollten trotz Konjunktur in die Zukunft investieren, rät Innovationsberater Udo Kaethner

Digitale Chancen fürs Handwerk

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Digitale Technologien bieten Handwerksbetrieben viele Möglichkeiten (von links): Einsatz von Kamera-Drohnen, Stundenerfassung per Smartphone, 3D-Drucker, Datenbrille.

Lüneburg. Handwerk hat goldenen Boden, ein abgedroschenes Sprichwort bewahrheitet sich im Internetzeitalter.

Udo Kaethner

Während die Öffentlichkeit über Facebook, den gläsernen Menschen und selbstfahrende Autos diskutiert, müssen Maurer, Dachdecker und Heizungsbauer Kunden wegen voller Auftragsbücher vertrösten. Dabei könnte mancher Betriebsinhaber übersehen, dass die Digitalisierung auch sein Geschäftsmodell verändern könnte. „Es könnte auch mal sein, dass es nicht mehr so gut läuft“, gibt Udo Kaethner von der Handwerkskammer Lüneburg zu bedenken. Dann könnten die im Vorteil sein, die die Chancen der neuen Technologien nutzen. Hinzu kommt ein neuer Konkurrent: die Industrie. Sie versucht, immer individueller zu produzieren. „Ich habe die Sorge, dass der Handwerker zum Servicetechniker degradiert wird“, so Kaethner.

Es könnte aber auch sein, dass irgendwann Kunden, Gesetze oder Vergabevorschriften der öffentlichen Hand die Betriebe zwingen, digitale Technologien einzusetzen. Aber Kaethner ist kein Schwarzmaler. Der Innovationsberater versucht vielmehr, den Betriebsinhabern die Chancen der neuen Technologien nahezubringen. Für größere Investitionen gibt es Fördermittel.

1. Ein Fliesenleger aus Buxtehude setzt seinen Kunden eine Datenbrille auf, wenn es um die Gestaltung ihres neuen Badezimmers geht. Sie können damit durch den virtuellen Raum gehen und ihn aus unterschiedlichen Perspektiven erleben.

2. Ein Steinmetz aus dem Raum Braunschweig druckt für seine Kunden Grabsteine als Kunststoffmodell mit dem 3-D-Drucker aus. Seitdem erhält er in 95 Prozent der Fälle einen Auftrag.

3. Erste Dachdecker setzen Kamera-Drohnen ein, um Schäden am Dach zu begutachten. Leitern oder Gerüste überflüssig. In Braunschweig bietet die Handwerkskammer einen Kurs für den Drohnenführerschein an.

4. Ein Lüchower Informationstechniker gibt auf dem Internetportal Youtube Anleitungen für Reparaturen von Elektrogeräten. Wer denkt, dass er am eigenen Ast sägt, irrt: Viele lassen die Sache doch lieber vom Fachmann erledigen.

5. Eine Baufirma aus Oldenburg nutzt Computermodelle für den Umbau von Gebäuden. Die Bauherren können einen virtuellen Rundgang machen.

6. Ein Tischler aus dem Kreis Uelzen nutzt eine Software für den ganzen Geschäftsvorgang von der Kundenanfrage bis zur Rechnung. Klingt bürokratisch, aber Unklarheiten über Absprachen sind Vergangenheit. Die Gesellen lesen auf dem Tablet, was zu tun ist.

7. Bei der mobilen Zeiterfassung geben die Gesellen auf einem Smartphone ein, wo und wie lange sie tätig waren. Die Daten werden automatisch weiterverarbeitet.

8. Ein Zimmermann aus dem Kreis Uelzen nutzt Facebook, um mit Interessierten in Verbindung zu bleiben.

• Kontakt: Udo Kaethner, (0 41 31) 71 22 05, kaethner@hwk-bls.de.

Von Gerhard Sternitzke

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