Ein Grund: Jugendliche machten sich ein falsches Bild von Ausbildungsberufen

Kreis Uelzen: 30 Prozent brechen Ausbildung ab

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Bei der Nordjob-Messe in der Bienenbütteler Ilmenauhalle können sich auch heute noch Jugendliche über verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten informieren.

Bienenbüttel/Landkreis. Die Suche nach Auszubildenden gestaltet sich für viele Unternehmen immer schwieriger. Und die Jugendlichen selbst haben die Qual der Wahl, für welche Ausbildung sie sich entscheiden wollen.

Das spiegele sich auch in den 50 an der Nordjob-Messe in Bienenbüttel teilnehmenden Unternehmen wider, sagt Dörthe Behnke, Projektleiterin der Nordjob Lüneburger Heide. „Mehr geht nicht, die Halle ist voll. “ Man habe sogar zum ersten Mal interessierten Firmen absagen müssen. Doch ein Problem bleibt: Viele Jugendliche brechen vor allem im ersten Ausbildungsjahr ihre Ausbildung ab.

Insgesamt werden laut Renate Peters, Bereichsleiterin Schule-Wirtschaft beim Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen, 25 bis 30 Prozent aller Ausbildungen abgebrochen. „Wir haben vor allem Defizite bei den kleinen Unternehmen.“ Dort sei der Anteil der abgebrochenen Ausbildungen am größten. Hauptproblem seien die unterschiedlichen Erwartungshaltungen von Unternehmen und Auszubildenden. „Für ein Unternehmen ist ein Ausbildungsabbruch immer ein Verlust von 10 000 bis 30 000 Euro“, sagt Peters.

Jugendliche machten sich, auch durch die Medien beeinflusst, ein falsches Bild von Ausbildungsberufen. So gebe es falsche Vorstellungen von Berufen wie Immobilienmakler oder Koch. „Koch ist nicht immer Sternegastronomie, sondern auch das Vereinslokal um die Ecke“, sagt Peters. Daher sei es wichtig, vor allem die Berufsorientierung voranzubringen und Jugendliche während des ersten Ausbildungsjahres zu begleiten. Viele Konflikte ließen sich klären, wenn man offen und ehrlich miteinander reden würde. So konnte die Kooperative Gesamtschule Schneverdingen mit ihrem Programm Jobwärts, das Schüler ab der achten Klasse auf den Beruf vorbereitet, die Abbrecherquote signifikant senken. Von 70 Schülern bricht dort laut Peters nur noch einer seine Ausbildung im ersten Lehrjahr ab.

„Nicht jeder Abbruch ist aber eine Riesenkatastrophe“, sagt Peters. Oft werde die Ausbildung auch abgebrochen, um ein Studium anzufangen oder eine andere Ausbildung zu wählen. Das verdiente Geld spiele beim Abbruch hingegen keine große Rolle, sagt Franziska Bürgermeister von der Agentur für Arbeit Uelzen. „Der Hauptgrund sind meist unterschiedliche Erwartungen und fehlende Informationen“, sagt sie. Ein weiterer Faktor ist die momentane Lage am Arbeitsmarkt. „Je besser die Marktlage ist, umso höher ist die Bereitschaft zum Wechsel“, sagt Behnke. Die Chance, einen neuen Ausbildungsplatz zu bekommen, sei derzeit sehr groß. Insgesamt sei die Zahl der Ausbildungsstellen gestiegen und die Zahl der Bewerber zurückgegangen.

Die höchste Abbrecherquote hat laut Peters das Handwerk zu verzeichnen. Auszubildende in Behörden dagegen brechen ihre Ausbildung am seltensten ab. „Das sagt aber noch nichts über die Qualität der Ausbildung aus“, sagt sie. Vielmehr hätten viele Jugendliche ein erhöhtes Bedürfnis nach sozialer Sicherheit und entschieden sich daher für eine Ausbildung bei Gemeindeverwaltungen, Polizei oder Zoll und setzten sie eher fort, auch wenn sie nicht gefällt.

Von Lars Lohmann

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