Das Klassik-Duo NOW! wagt den Spagat zwischen Kammermusik und Rock

Debussy trifft in Bienenbüttel auf Nirvana

+
Die Pianistin Ninon Gloger (links) und der Violoncellist Daniel Sorour boten in rund zwei Stunden fulminante und einfühlsame Versionen von bekannten Ohrwürmern der Pop- und Rockmusik sowie aus der Klassik.

Bienenbüttel – Alice Cooper steht neuerdings auch drauf, Deep Purple schon immer und selbst die US-Metal-Band Metallica kann mit ihrem Livealbum S&M nicht widerstehen: Die Kombination von Rock und klassischer Musik gehört heute nach dem Motto „muss man mal gemacht haben“ zum Standardrepertoire gestandener Rockmusiker.

Das Lübecker Duo NOW!, bestehend aus der Pianistin Ninon Gloger und dem Violoncellisten Daniel Sorour, ging im fast ausverkauften Bienenbütteler Gemeindehaus die spannungsreiche Liaison mit dem einstigen Genre-Gegner auf ganz andere Weise ein: Neben sorgfältig ausgewählten und mit Anekdoten zur Entstehungsgeschichte kompetent kommentierten klassischen Kompositionen der letzten drei Jahrhunderte interpretierten sie während ihres rund zweistündigen Auftritts zeitgenössische Hits aus Rock- und Popmusik.

Was zur Verblüffung mancher Zuhörer erstaunlich gut funktioniert: Ihre fulminanten, einfühlsamen Versionen von Coldplays Welthit „Viva La Vida“, Queens „Bohemian Rhapsody“, Paul McCartneys „Michelle“ oder gar Nirvanas brachialer Grunge-Hymne „Smells Like Teen Spirit“ bewiesen eindrucksvoll, was Flügel und Violoncello im Zusammenspiel alles zu leisten imstande sind.

„Wir kennen da keine Grenzen in unserer Arbeit“, sagen die beiden vielseitigen wie weltweit viel beschäftigten Kammermusiker, „höchstens die zwischen guter und schlechter Musik“. Und Letztere fehlte an diesem Abend ausnahmslos: Dem schwungvollen, leidenschaftlichen vorgetragenen „Requiebros“ (Komplimente) des katalanischen Cellisten Gaspar Cassadó folgte Claude Debussys Sonate für Violoncello und Klavier mit dem poetischen Titel „Pierrot im Streit mit dem Monde“ und der dritte Teil der „Fantasiestücke“ von Robert Schumann: „Rasch und mit Feuer“. Der zweite Teil des Abends eröffnete Arvo Pärts „Fratres“ (Brüder) gefolgt von „Nightclub 1960“, dem dritten Satz aus Astor Piazzollas „L‘Histoire du Tango“ und fand mit dessen Tango „Oblivion“ auch den würdigen Abschluss.

Bei der Auswahl des Programms macht es sich das Duo nicht leicht und versucht, Publikum und Auftrittsort gerecht zu werden. So bildete der „Schwan“ aus Camille Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“ einen gelungenen Punkt, den das Publikum nach zwei Zugaben gerne noch weiter genossen hätte.

VON MARCUS KIEPPE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare