EHEC-Verdacht in Steddorf: Erste Proben negativ / Kreislandwirt kritisiert Behörden

Kreislandwirt: „Das kann einen Betrieb in den Ruin treiben“

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So präsentiert der Gärtnerhof auf seiner Homepage die Arbeitsabläufe: Die Mitarbeiter tragen Kopfhauben und Mundschutz: Der Familienbetrieb habe bei Hygienekontrollen die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, heißt es aus dem Ministerium.

Bienenbüttel. 16 Kontrollen im Gärtnerhof Bienenbüttel in 25 Jahren, zwei davon in den vergangenen Wochen gezielt auf den EHEC-Erreger – und bislang verliefen alle Untersuchungen negativ: Bei der Suche nach der Quelle für die Seuche, die mittlerweile 22 Todesopfer forderte, sehen sich die Behörden zusehends massiver Kritik ausgesetzt.

So spricht Uelzens Kreislandwirt und Bauernverbandsvorsitzender Thorsten Riggert von einem „sträflichen Umgang mit Informationen“. Mit so einem Vorgehen könne man einen Betrieb in den Ruin treiben.

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Zuvor hatte das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium gestern bekannt gegeben, dass von dem unter EHEC-Verdacht stehenden Bienenbütteler Betrieb die ersten 23 von 40 ausgewerteten Proben negativ gewesen seien. Nach AZ-Informationen war im Gärtnerhof schon am 1. April ein Test auf den EHEC-Erreger vorgenommen worden, auch sie haben keinen Nachweis auf den Erreger erbracht. Das Ministerium hatte die Bio-Gärtnerei, die sich auf Sprossen spezialisiert hat, am Sonntag wegen des Verdachts der EHEC-Kontamination gesperrt. Insgesamt sei der Familienbetrieb in den vergangenen 25 Jahren 16 Mal auf die Einhaltung der Hygienevorschriften kontrolliert worden, teilte das Landwirtschaftsministerium gestern auf AZ-Nachfrage mit, es seien stets die gesetzlichen Anforderungen „gut erfüllt worden“.

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So präsentiert der Gärtnerhof auf seiner Homepage die Arbeitsabläufe: Die Mitarbeiter tragen Kopfhauben und Mundschutz: Der Familienbetrieb habe bei Hygienekontrollen die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, heißt es aus dem Ministerium.

Für Kreislandwirt Thorsten Riggert ist die gesamte Situation „ein Riesen-Desaster“. Die gesamte regionale Landwirtschaft habe wegen der EHEC-Problematik Absatzprobleme, für den Verbraucher sei ein undurchsichtiges „Wirrwarr“ entstanden. Erdbeeren und Spargel zum Beispiel würden längst nicht so konsumiert wie üblich. „Die Bauern in Niedersachsen kostet das jeden Tag eine Million Euro“, gibt Riggert zu bedenken. Den Verbrauchern macht der Kreislandwirt keinen Vorwurf, wohl aber dem Landwirtschaftsministerium und seiner Informationspolitik. „Es ist unverantwortlich, da jetzt schon den Ort des Betriebes zu nennen, ohne Ergebnisse präsentieren zu können. Da muss man ruhig bleiben – auf diesen einen Tag kommt es dann auch nicht mehr an.“

Bereits heute ist ein Team des Bundesinstitutes für Risikobewertung und Robert Koch Institutes, die EHEC-Task-Force, in den Kreis Uelzen gereist, um gemeinsam mit der Lebensmittelüberwachungsbehörde weitere Erkenntnisse zu möglichen Kontaminationswegen zu gewinnen.

Von Thomas Mitzlaff und Ines Bräutigam

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