Alle 135 dürfen weiter mitfahren

Bürgerbus Bienenbüttel ändert Satzung, um Gemeinnützigkeit zu erhalten

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Im neuen Fahrzeug des Bürgerbusses Bienenbüttel können auch nach der Satzungsänderung weiterhin alle 135 Fahrgäste des Vereins transportiert werden. 

Wichmannsburg – Sie transportieren ehrenamtlich Bedürftige zum Einkaufen, zum Friseur oder zum Arzt. Die Rede ist von den Fahrern des Bienenbütteler Bürgerbusses.

Durch ein Schreiben des Finanzamtes war der Verein jetzt gezwungen, auf einer Mitgliederversammlung seine Satzung zu ändern.

„Wir dürfen aus steuerrechtlichen Gründen nur noch wirtschaftlich bedürftige Personen befördern“, erklärt der Vereinsvorsitzende Gerd Richter. Sonst würde der Verein seine Gemeinnützigkeit verlieren. „Unsere Fahrgäste sind zu einem sehr großen Teil wirtschaftlich bedürftig “, berichtet Richter. Nicht mehr als 2.120 Euro dürfen Einzelpersonen pro Monat zum Leben zur Verfügung haben, bei in Partnerschaft Lebenden sind es pro Person 1.528 Euro. Die 135 Fahrgäste des Vereins dürfen laut dem Vorsitzenden alle auch weiterhin vom Bürgerbus Bienenbüttel befördert werden. Dazu mussten sie zunächst ihre Finanzen offenlegen.

Als weiterer Punkt musste neben der allgemeinen Datenschutzrichtlinie – eine Klausel aufgenommen werden, die etwas komisch daherkommt. „Wir sollten – da ist sich der Vorstand einig – in unsere Satzung aufnehmen, dass, sobald ein Fahrgast verstirbt, seine Nachkommen beziehungsweise Erben auf deren Wunsch die restliche Mitgliedsgebühr erstattet bekommen“, sagte Gerd Richter. Daraufhin ging nicht nur ein Raunen durch den Gemeinderaum in Wichmannsburg, sondern es folgte eine rege Diskussion. „Hintergrund ist, dass das schon mehrfach vorgekommen ist – sogar, als wir noch einen Monatsbeitrag von zehn Euro hatten“, erläuterte Richter. Es sei aber nun mal so, dass das rechtlich gesehen jeder Hinterbliebene einfordern dürfe. Da gebe es ausreichend Urteile, die das bestätigten. Gesagt, getan, die Klausel wurde von der Versammlung angenommen.

Außerdem beschloss die Versammlung, den Fahrern und ihren Partnern mit einem gemeinsamen Grünkohlessen zu danken. Und auch bei der dringenden Suche nach Fahrern konnte Richter den versammelten Mitgliedern positive Nachrichten vermelden. Zwei neue ehrenamtliche Fahrerinnen und ein neuer Fahrer seien mit dem im Herbst neu angeschafften Auto, das auch schon wieder zig Kilometer auf den Tacho hat, unterwegs.

VON ROBIN VOGT

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