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Bienenbüttel: Bürgerinitiativen und Politik mobilisieren gegen Pläne der Deutschen Bahn

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Beim Trassenleuchten strahlen Schlepper auf die mögliche Streckenführung der geplanten Neubautrasse
Beim Trassenleuchten strahlen Schlepper auf die mögliche Streckenführung der geplanten Neubautrasse der Bahn. © Holzgreve

Mit Schleppern, Feuerkörben und Fackeln protestieren die Bürger in Steddorf am Sonnabend gemeinsam mit Bürgerinitiativen und Vertretern der Politik gegen die geplante Neubautrasse der Deutschen Bahn.

Steddorf/Landkreis – Widrige Wetterverhältnisse, böiger Wind und Dauerregen konnten die Bürger am Wochenende nicht aufhalten. Unter dem Schleppdach einer Scheune des Hofes Kirschke im Bienenbütteler Ortsteil Steddorf versammelten sich rund 150 Teilnehmer, von der Familie bis zum Landwirt, um gegen Trassenpläne der Deutschen Bahn für die Verbindung Hamburg-Hannover zu protestieren. Mahnfeuer auf dem angrenzenden Feld waren entzündet, Fackeln wurden ausgegeben und eine Reihe Schlepper strahlten bei diesem Trassenleuchten mit ihren Scheinwerfern genau auf einer möglichen Streckenführung in die einsetzende Dunkelheit.

„Wir haben uns heute hier versammelt, um unseren Protest gegen die Bahn-Pläne zum Ausdruck zu bringen, die uns – da spreche ich, denke ich, für uns alle – fassungslos und wütend machen“, rief Bienenbüttels Bürgermeister Dr. Merlin Franke ins Mikrofon. Wie Landrat Dr. Heiko Blume und der CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer, erinnerte er an den bereits 2015/2016 in Celle nach langen Gesprächen gefundenen Kompromiss: Ausbau der Bestandsstrecke – auch mit Belastungen für die angrenzenden Kommunen –, aber kein Neubau. Während Blume auf mittlerweile drei Kreistagsresolutionen für den Bestandsausbau im Landkreis hinwies, zielte der Landtagsabgeordnete Hillmer auf den Bund: Es müsse verhindert werden, dass sich die Bundesregierung und der Bundestag als Gesetzgeber für Neubautrassen ausspreche.

„Die Pläne der Bahn sind genauso wie das Wetter“, rief Blume den Bienenbüttelern zu, die später mit Fackeln zu den Traktoren strömten, die kaum 150 Meter vom Hof entfernt die mögliche Trasse ausleuchteten. Dabei waren sie nicht allein. In Tätendorf-Eppensen, in Kirch-/Westerweyhe und in Hansen/Klein Süstedt war ebenfalls zu Protestaktionen aufgerufen worden. Und tatsächlich wurde auch landkreisübergreifend – von Harburg bis Großburgwedel – demonstriert. „Heute muss ich leider sagen: Die Deutsche Bahn hat sich mein Vertrauen verspielt“, betonte Bürgermeister Franke in seiner Rede mit Blick auf den einst gefundenen Kompromiss „Alpha E“.

Friedrich-Karl Bodin von der Bürgerinitiative „Aktionsbündnis für die Ostheide“ (Afdo), das zu der Veranstaltung eingeladen hatte, nannte den Protesttag ein „kraftvolles, leuchtendes Signal nach Berlin“. Die Neubaupläne der Bahn „gefährden uns, die Natur und die Zukunft unserer Region“. Er erinnerte an die neuesten Erkenntnisse des Projektbeirates „Alpha E“, der herausgefunden habe, dass sich die Bahn in den vergangenen Jahren selbst beauftragt habe, nach anderen Trassen als „Alpha E“ zu suchen.

Sicher scheint unterdessen, dass sich auch in Bienenbüttel eine Bürgerinitiative gründen wird. So trugen sich am Wochenende bereits zahlreiche Besucher in Unterschriftenlisten der Afdo und eine Petition ein. Am Montag, 23. Januar, um 19 Uhr soll es im Mühlenbachzentrum eine wichtige Versammlung geben. „Wir unterstützen alle Neugründungen“, sagte Bodin der AZ. Gut möglich, dass dann auch Hans-Peter Harms aus Rieste und Hans-Ludwig Hartig aus Eitzen I dabei sind. „Es übersteigt einfach mein Vorstellungsvermögen, dass die Bahn bei uns eine 638 Meter lange Brücke plant“, sagte Landwirt Hartig der AZ.

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