Von Bienenbüttel nach São Paulo: Grundschüler nehmen an Austausch ins „Land des Fußballs“ teil

Brasilianer im Bayerntrikot

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Drücken bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr zwei Mannschaften die Daumen – der deutschen und der brasilianischen: Der neunjährige Darius und seine Schwester Wiebke Jonasson.

Bienenbüttel/Hohenbostel. Aufs Rad schwingen und ins Freibad fahren – in São Paulo undenkbar, weiß Thomas Jonasson.

Und er muss es wissen: Im Rahmen eines Austausches zwischen Schülern der Grundschule Bienenbüttel und einer der größten deutschen Auslandsschulen in Brasilien hat er in diesem Jahr die Dritt- und Viertklässler auf ihrer Fahrt ins Land begleitet, in dem gerade die Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet.

„Es ist anders dort – die Häuser haben alle Mauern und oben Stacheldraht und die meisten haben Hunde, damit keine Einbrecher kommen“, berichtet die 12-jährige Wiebke, die, obwohl sie keine Grundschülerin mehr ist, 2014 schon das zweite Mal mitgeflogen ist – gemeinsam mit ihrem Vater, Bruder Darius und weiteren acht Kindern aus der Gemeinde.

Alle zwei Jahre starten die Schüler zum Gegenbesuch der Brasilianer. Und was sie dort erwartet, ist ein ganz anderes Bild, als sie es aus ihrer Schule in Bienenbüttel kennen. Wiebke zählt auf: Ein Zoo, eine große Bibliothek, ein Schwimmbad, eine eigene Krankenstation – all das teilen sich Krippen, Grundschul- und Oberstufenbesucher. Das Areal ist eingezäunt und überwacht – wie alles eigentlich, wissen Darius und seine Schwester.

Dabei haben sich die Jonassons im fernen Brasilien nie unsicher gefühlt – nicht einmal bei seiner Fahrt mit der S-Bahn, berichtet Thomas Jonasson, wobei die Einheimischen doch von einem „adventure“ gesprochen hätten. Allein in einer Gastfamilie rund 10 000 Kilometer von zu Hause entfernt, und doch sagt der neunjährige Darius entschlossen: „Nö, Angst hatte ich nicht.“ Vielmehr sei er neugierig gewesen auf das Land.

Dass dort nun ausgerechnet auch die WM stattfinden würde, habe man in den Osterferien aber noch kaum bemerkt. 80 Prozent der Stadien befanden sich noch im Bau. Protestaktionen oder Vorfreude? Fehlanzeige. Bloß Spielerkarten hätten dort alle gesammelt, berichtet der begeisterte Kicker. Doch den Titel „Land des Fußballs“ trägt Brasilien trotzdem zu Recht. „Die Jungen dort kennen sich auch mit der Bundesliga aus“, berichtet Thomas Jonasson. Brasilianer im Bayerntrikot? „Das kommt schon vor.“

Organisiert wird der Austausch von Eltern. „Flüge, Versicherung, Werbung – das ist schon ein bisschen Aufwand“, beschreibt Mutter Martina Rewoldt. Dabei stoßen die Organisatoren – ein Teil der Eltern begleitet den Nachwuchs auf ihrer Reise – häufig auf ein Problem: Die Nachfrage aus Brasilien übersteigt die der Bienenbütteler. „Die deutsche Sprache wird dort hoch gehandelt“, weiß Mutter Tanja Jonasson, wegen der besseren Berufschancen.

Familien von Grundschülern in Bienenbüttel, die Gast-Kinder aufnehmen möchten und Interessierte Abc-Schützen für die Brasilien-Reise im Jahr 2016 können sich bei Martina Rewoldt unter der Telefonnummer (05823) 95 35 19 melden.

In zwei Jahren will auch Darius Jonasson wieder mit im Flieger sitzen. Zunächst aber gilt es, den WM-Teams aus Deutschland und Brasilien die Daumen zu drücken.

Von Anna Petersen

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