Landgericht Lüneburg verurteilt 30-Jährigen aus dem Landkreis Uelzen wegen Feuer in Hohenzethen

Brandstifter muss Sozialstunden leisten

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Zehn Minuten mit dem Feuerzeug, das jeder Raucher bei sich trägt, reichen aus, um eine Reihe Strohballen in Brand zu setzen. Nur anhand von Indizien konnte jetzt der Brandstifter von Hohenzethen verurteilt werden.

Lüneburg. Ein handelsübliches Feuerzeug und zehn Sekunden Zeit – mehr braucht man nicht, um eine Reihe von 50 Strohballen in Brand zu setzen. Das erklärte ein Sachverständiger im Revisionsprozess um brennende Rundballen in Hohenzethen (AZ berichtete).

Kein Zeuge hat die Brandstiftung am Abend des 4. Januar 2015 gesehen, und der Angeklagte beteuerte seine Unschuld – deswegen konnte es in dem Verfahren gegen den 30-jährigen S. aus dem Landkreis Uelzen nur um Indizien gehen. Gestern hat das Landgericht Lüneburg S. dennoch zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er 200 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten.

Das Amtsgericht Uelzen hatte den ungelernten Arbeiter freigesprochen. Die These, dass größere Mengen Brandbeschleuniger nötig gewesen wären, sei nun widerlegt, betonte Oberstaatsanwalt Kolja Christoph. Er forderte ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung sowie 180 Sozialstunden.

„Der Angeklagte war also 200 Meter vom Brandort entfernt. Er ist die Strecke mit einem Motorroller langgefahren, die am Brandort vorbeiführt. Die Doppelscheinwerfer hat er in auffälliger Weise gelöscht und erst, als das entgegenkommende Auto da war, wieder eingeschaltet“, zählte Christoph auf. Hauptindiz der Staatsanwaltschaft war aber ein Handschuh mit DNA-Spuren des Angeklagten, der in unmittelbarer Nähe des Tatorts in einer Hecke gefunden worden war.

Genau dieses Beweismittel zog Verteidiger Dieter Ebert in Zweifel und plädierte auf Freispruch: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Handschuh über Nacht draußen liegt und trocken ist.“ Jemand anders könnte ihn hingelegt haben. Im Drahtzaun seien keine Spuren festgestellt worden. Zudem sei der Brand auf der anderen Seite der Miete ausgebrochen.

Dem Gericht reichten die Indizien zu einer Verurteilung von S. aus. „Zur Bewährung wurde die Strafe deshalb ausgesetzt, weil er eine günstige Sozialprognose hat und solche Taten voraussichtlich nicht mehr begehen wird“, erklärt Gerichtssprecher Andreas Stodolkowitz.

Verhandelt wurde nur eine Brandstiftung, aber S. geriet schon des öfteren ins Visier der Ermittler. Immer wenn er umgezogen sei, habe es im Umfeld seines Wohnorts angefangen zu brennen, schilderte ein Polizeibeamter am ersten Verhandlungstag.

So brannte unter anderem in Himbergen ein Auto aus, in Suhlendorf gerieten Strohballen in einer Scheune in Brand, und auch in dem Haus, in dem S. lebt, brach Feuer aus. Die Taten konnten dem 30-Jährigen aber nie nachgewiesen werden.

Von Gerhard Sternitzke

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