Mit dem Bollerwagen zum Müllsammeln

Fast täglich machen sich zwei Bargdorferinnen auf, um die Natur von Abfall zu befreien

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Die „Beute“ nach einer Tour mit dem Bollerwagen an der B 4: Melanie Schwarze ist entsetzt, wie viel Müll Menschen einfach wegwerfen. Regelmäßig gehen sie und ihre Nachbarin los, um die Natur von Abfällen zu befreien.

Bargdorf – Wenn Melanie Schwarze mit ihrem Hund Gassi geht, hat sie häufig einen Bollerwagen dabei. Nicht etwa, weil ihr Vierbeiner faul ist und sie diesen damit zieht. Nein, sie sammelt Müll an der Bundesstraße 4.

Auf ihren Touren hat sie die Natur schon von diversem Abfall von anderen Menschen befreit: Glasflaschen, Bierdosen, Papptüten einer Fast-Food-Kette, To-Go-Kaffeebecher. „Es ist der Wahnsinn, was Menschen einfach wegwerfen“, schimpft die Bargdorferin, die im Wohngebiet „Große Heide“ wohnt.

Müllsammeln in freier Corona-Zeit

Angefangen hat sie mit dem Müllsammeln bereits vor rund zwei Jahren, als sie ihre Nachbarin Gabi Schröder dabei beobachtete, wie diese ihrerseits im Wald Abfall sammelte. „Wir haben uns dann gegenseitig weiter motiviert“, erzählen die beiden Frauen, die gerne noch mehr Menschen dazu animieren möchten. „Naturschutz geht uns alle an“, betont Schwarze und Schröder fügt hinzu: „Jeder sollte vor seiner Haustür damit anfangen.“ Gerade jetzt in der Corona-Krise könnten viele Menschen ihre freie Zeit dazu nutzen, die Natur von Müll zu befreien, finden die beiden Bargdorferinnen.

Sie selbst gehen mit gutem Beispiel voran, machen sich unabhängig voneinander fast täglich auf, um an der B 4 und in den angrenzenden Waldstücken Richtung Bruchtorf die Abfälle anderer Menschen zu entfernen. „Mich hat es irgendwann einfach so geärgert“, erklärt Schröder ihre Motivation. Sie sei auch wegen der Natur aufs Land gezogen. „Heute kann ich nicht mehr an Müll vorbeigehen, ohne ihn aufzuheben.“

Wunsch nach Einsicht und Papierkörben

Der eine Punkt ist, dass die Natur viel schöner aussieht ohne Müll und dass sich Tiere an Plastik oder Glasscherben verletzen können. Der andere ist der, dass gerade Glas bei der aktuellen Trockenheit eine große potenzielle Waldbrandgefahr darstellt, betont Schröder. „Nach den zwei extremen Jahren, die wir jetzt hatten, verstehe ich nicht, wie so viele Menschen immer noch eine Verdrängungstaktik fahren können.“

Wünschen würden sich Schröder und Schwarze neben mehr Einsicht bei Autofahrern und anderen Menschen, die ihren Müll einfach in die Natur werfen, auch ein Handeln seitens der Verwaltungen. Öffentliche Papierkörbe gibt es in der „Großen Heide“ nicht, auch an den Radwegen an der B 4 stehen keine. „Das wäre vielleicht ein Anfang“, sagt Schwarze, die nach einer ihrer Touren ein Foto von ihrem prall mit Müll gefüllten Bollerwagen bei Facebook gepostet und viele positive Rückmeldungen bekommen hat.

Auf mehr Sanktionen für Umweltsünder sowie mehr Anerkennung für diejenigen, die Müll sammeln, hofft Gabi Schröder und bringt noch einen anderen Gedanken ins Spiel: „Vielleicht würden weniger Menschen Plastik wegwerfen, wenn es eine Art Pfand auf den Wertstoff Plastik gebe.“ Sie hofft, dass die aktuelle Krise ein Impuls für ein verändertes Denken in der Gesellschaft sein kann, um etwas Positives aus dieser Zeit zu ziehen. „Wir müssen zu uns finden und die Sachen mehr zu schätzen wissen“, meint auch Melanie Schwarze.

VON FLORIAN BEYE

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