BGH bestätigt Urteil gegen Ex-Heimleiter

Es bleibt bei sechs Jahren

+
Ort des Missbrauchs: ein Kinderheim. 

Karlsruhe/Lüneburg. Er versprach Eltern, ihre traumatisierten Kinder in ländlicher Umgebung auf die rechte Bahn zu bringen, stattdessen verging er sich an einzelnen seiner Schützlinge und filmte seine Taten auch noch.

Im Mai verurteilte das Landgericht Lüneburg einen 47-jährigen Ex-Heimleiter zu sechs Jahren Haft. Gegen das Urteil setzte er sich zur Wehr. Jetzt steht fest: Es bleibt bei sechs Jahren Haft und einer anschließenden Führungsaufsicht. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden.

Die Bundesrichter gaben dem Mann zwar in Teilen recht: Zehn Missbrauchshandlungen an einem Jugendlichen im Zeitraum vom Ende September bis Oktober 2007 entfallen juristisch gesehen. Laut Urteilsbegründung gilt nämlich eine fünfjährige Verjährungsfrist, und die ist bereits abgelaufen.

Allerdings ändert das nichts am Lüneburger Strafmaß von sechs Jahren. Das Landgericht hatte die schweren psychischen Folgen, unter denen die inzwischen erwachsenen Opfer auch acht Jahre nach Ende der Übergriffe litten, als strafverschärfend gewertet. Und auch verjährte Taten, so der Bundesgerichtshof, könnten – wenngleich mit geringerem Gewicht – straferschwerend berücksichtigt werden.

Die weitere Revision wurde verworfen, der Verurteilte trägt auch die Kosten des Verfahrens. Eher formaler Natur: Das Landgericht hatte die Führungsanspruch nicht in die Urteilsformel aufgenommen, das hat der BGH nachgeholt.

Richter Volker Heintzmann hatte dem gelernten Erzieher die Reue nicht abgenommen. Denn den Code für eine Festplatte, die sich unter seinem Bett fand, rückte er bis zum Prozessende nicht heraus.

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare