Suche nach Fundamenten muss warten / Spezialisten sind ausgelastet

Schloss Grünhagen: Es bleibt Raum für Fantasie

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Die verwitterte Steinplatte am Grünhagener Dorfgemeinschaftshaus könnte noch Details über das Schloss verraten.

Grünhagen. Ein verschwundenes Schloss feuert die Fantasie an. Kein Turm, kein Torbogen, kein Mauerrest erinnert mehr an die Anlage, die einst bei Grünhagen stand – doch gerade das verschafft ihr eine Aura des Geheimnisvollen.

Und das dürfte sich nicht so schnell ändern, denn die geplanten archäologischen Untersuchungen zum Standort und zum Grundriss des Schlosses, das wahrscheinlich in den Wiesen an der Ilmenau stand, finden vorerst nicht statt.

Kreisarchäologe Dr. Fred Mahler hatte sich bereits im vorigen Jahr um eine Magnetometer-Untersuchung der Wiesen durch Studenten der Universität Lüneburg bemüht. Dadurch sollten die Fundamente im Untergrund sichtbar gemacht werden. Doch die Spezialisten sind begehrt: „Ich bin auf die Kollegen angewiesen. Und die sind ziemlich ausgebucht“, sagt Mahler auf AZ-Nachfrage. „Und es bleibt die Frage, wer das bezahlt.“

Die verwitterte Steinplatte am Grünhagener Dorfgemeinschaftshaus könnte noch Details über das Schloss verraten.

Auf die Ilmenauwiesen als Standort des Schlosses tippt Mahler, weil dort bei Dränagearbeiten mittelalterliche Keramikscheiben und ein Holzbalken gefunden worden sind. „Das ist ein feuchtes Gebiet, wo sich Holz gut erhält“, erklärt der Kreisarchäologe. Das Holz stammt aus dem 16. Jahrhundert. Vermutlich gehörte es zur Pfahlgründung des Schlosses, das der zweite evangelische Abt des Lüneburger Michaelis-Klosters, Eberhard von Holle, in den Jahren 1578 bis 1580 anstelle eines früheren Sommersitzes errichten ließ.

Der „Herr vom Hause St. Michaelis“, der zudem Bischof von Lübeck und „Administrator“ von Verden war, sparte nicht an dem repräsentativen Neubau. Nach einer Zeichnung aus dem 18. Jahrhundert besaß das Schloss, das von Wassergräben umgeben war, vier Türmchen. Wie der Vorhof mit Wirtschaftsgebäuden war es über eine Brücke erreichbar. Da war der Herrensitz allerdings nur noch eine Ruine. 1711 wurde er abgerissen.

Der Grundriss aus dem 18. Jahrhundert zeigt ein Wasserschloss mit Türmchen und Vordergebäude. Repro: AZ

Dass die Fundamente nun vorerst im Wiesenboden bleiben, kann Mahler verschmerzen. Bei der Untersuchung mit dem Magnetometer sei es lediglich darum gegangen, die Lage und den Grundriss des Schlosses zu klären. Eine Ausgrabung sei dagegen nicht geplant. „In Grünhagen ist nichts bedroht. So verlockend es erscheint – meine Aufgabe ist, die Bodendenkmäler zu erhalten“, stellt Mahler klar.

Alte Dachziegel wurden beim alten Forsthaus in Grünhagen gefunden. Aufschluss könnte auch eine alte Steinplatte geben, die in den 1960er-Jahren bei Rodungsarbeiten gefunden wurde und jetzt am Dorfgemeinschaftshaus steht. Doch die Inschrift und die beiden Wappen sind so stark verwittert, dass noch viel Raum für Fantasie bleibt.

Von Gerhard Sternitzke

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