Biobauer Karsten Ellenberg war einer der Juroren bei der Wahl der Kartoffel des Jahres 2014

Granola: eine eigene Persönlichkeit

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Vorwiegend festkochend mit schöner gelber Fleischfarbe: Der Barumer Biobauer Karsten Ellenberg kürte Granola zusammen mit den anderen Juroren zur Kartoffel des Jahres.

Barum. Es riecht nach Erde in Karsten Ellenbergs Kartoffelscheune am Rand von Barum. Die Sortiermaschine rattert. Ein Sattelzug liefert frische Saatkartoffeln aus Schottland an.

Der über die Grenzen des Landkreises Uelzen weithin bekannte Landwirt weist den Gabelstaplerfahrer ein. Am Freitag war er noch auf der Messe Biofach in Nürnberg. Dort wurde Granola zur Kartoffel des Jahres 2014 gewählt. Ellenberg, der die Knolle natürlich auch in seinem Sortiment hat, war einer der Juroren.

Hohe Erträge unabhängig vom Standort und Klima, resistent gegen Nematoden, mittelfrüh, vorwiegend festkochend mit schöner gelber Fleischfarbe – das sind die äußeren Merkmale der 1975 eingeführten Sorte, die wegen ihrer Unempfindlichkeit von Landwirten und Hobbygärtnern geschätzt wird. „Sie ist gut lagerfähig und hat den Vorteil, dass sie erst nach einem langen Lagerprozess einen guten Geschmack entwickelt“, hat der 51-jährige Biobauer an Granola beobachtet.

„Es ist bei den Verbrauchern das Wissen um die Kartoffelvielfalt verlorengegangen“, erklärt Ellenberg den Sinn der Kür einer Kartoffel des Jahres. Und deshalb trug der Blaue Schwede 2006 als erster diese Auszeichnung. Das Bamberger Hörnchen (2008) ist eine der ältesten Sorten aus dem Jahr 1870. Kartoffel des Jahres 2013 war der Rosa Tannenzapfen. „Wichtig ist, dass die Sorte etwas geleistet hat, dass sie Geschichte und dass sie etwas Besonderes hat“, erläutert Ellenberg, der selbst 36 verschiedene Sorten anbietet.

Die Kartoffel-des-Jahres-Wahl hängt direkt mit Ellenbergs früheren Kampf um die beliebte Linda zusammen – die Kartoffel des Jahres 2007 wurde. Damals wollte der Kartoffelzüchter Europlant den Nachbau verhindern, als der Sortenschutz auslief. Deshalb sind alle Kartoffeln des Jahres natürlich frei von Sortenschutz, der üblicherweise 30 Jahre nach der Zulassung ausläuft.

Ellenberg findet letzteres auch nur fair. „Letztendlich geht es darum, dass der Verbraucher und der Bauer Rechte haben. Die Züchter erfinden die Kartoffel ja nicht neu, sie kombinieren ja nur die Sorten anderer Züchter“, argumentiert der Biobauer. Ihm geht es um den Erhalt der Vielfalt. Ist die 1912 eingeführte Bintje (Kartoffel des Jahres 1912) nur deshalb schlecht, weil sie die heute übliche maschinelle Wäsche nicht verträgt? „Letztlich soll der Markt entscheiden“, meint Ellenberg. Das gilt auch für die Kartoffel des Jahres 2014: „Granola hat sich bewährt. Sie wächst manchmal schneller als Unkraut. Und sie kann noch mit den neuen Sorten mithalten.“

Von Gerhard Sternitzke

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