„Es ist ein Jammer“

In Bienenbüttels Mehrzweckhalle wird zum letzten Mal Silvester gefeiert

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Birgit Bothe, Inhaberin des Bistros „Zur Ilmenau“ in Bienenbüttel, zapft die letzten Biere an Silvester. Es war die letzte Feier in ihrem Bistro, das nun geschlossen ist.

Bienenbüttel – Birgit Bothe hat sich schick gemacht. Sie trägt zum Rotton der Haare eine lachsfarbene Bluse, in die Lurex-Fäden eingewebt sind. Hinter dem großen Zapfhahn an der Theke hilft Jörg Kopplin aus.

Ein paar Gäste nehmen hin und wieder auf den Barhockern Platz. Die meisten bleiben an den Tischen sitzen, an denen sie gegessen haben.

Es gab Hochzeitssuppe, Wildschweingulasch, Entenragout oder Schweinemedaillons. Es ist Silvesterabend im Café und Bistro „Zur Ilmenau“ in Bienenbüttel in der Mehrzweckhalle. Und es wird das letzte Mal sein, dass hier gefeiert wird. Denn die sanierungsbedürftige Halle ist geschlossen. Jetzt folgt das Bistro.

Ob sie ein bisschen wehmütig ist, wird Bothe gefragt. Und die 52-jährige Wirtin antwortet mit einer Geste: Sie reibt sich als Antwort die Augen – sie sei den Tränen nah, soll das heißen. Ende September kam von der Gemeinde die Kündigung des Pachtvertrages. Zum Jahresende war jetzt Schluss. Zehn Jahre schon hat sie da das Bistro gemeinsam mit ihrem Mann betrieben. Rauschende Silvesterpartys mit 120 Gästen in der Halle hat es gegeben. In diesem Jahr läuft ein bunter Strauß Musik aus dem Radio. Aber Bothe ist sich schon lange vor Mitternacht sicher: „Wir machen durch. Nachher räumen wir die Blumen beiseite – und dann wird getanzt.“

Die Wirtin hat sich auch diesmal – rund 50 Gäste hatten sich für die Feier angemeldet, – Mühe gegeben. Luftschlangen auf den Tischen, Silvester-Servietten, Girlanden unter der Decke. Nichts erinnert daran, dass bald Schluss ist. Nur die Gäste sind verhalten – vor allem, weil sie sich die Frage stellen, ob man die Ilmenauhalle nicht doch hätte sanieren können, anstelle – wie wahrscheinlich – eine neue Mehrzweckhalle zu bauen.

Christian Friedrich hat dazu eine klare Meinung: „Als die Halle 1974 gebaut war, hatte sie 2,5 Millionen Mark gekostet. Zwölf Millionen sind im Laufe der Zeit in Renovierungen, Sanierungen und Instandhaltung geflossen. Schon das Spielfeld ist für regulären Handball zu klein. Das ist alles nicht mehr zeitgemäß.“ Beate Giese geht mit Freunden nach dem Essen und sagt: „Wir haben unseren Sparklub hier gehabt. Das war echt schön.“ Und Michael Hose plädiert für eine Sanierung. „Das ist ein Betonspantenbau. Der geht eigentlich nicht kaputt. Wenn die 35 Gutachter“, sagt Hose zugespitzt, „mal praktisch denken und vorgehen, dann funktioniert das auch.“

„Es ist einfach ein Jammer“, sagt Hose. Und Veronika Thyssen und Harald Kocks sagen: „Wir sind traurig.“ Und Birgit Bothes Zukunft? Liegt wohl künftig im Kiosk im Waldbad. Silvester-Partys aber wird sie dort wohl nicht mehr geben.

VON CHRISTIAN HOLZGREVE

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