„Neuseeland ist mein Zuhause“

Bienenbüttelerin lebt seit neun Jahren auf Neuseelands Südinsel

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„Es ist klar, dass wir bleiben“, sagt Meike Holzenkämpfer (Mitte) im Dorfgespräch mit Loni Franke und Björn Pamperin über ihre neue Heimat Neuseeland.

Bienenbüttel – 18. 314 Kilometer liegen zwischen Meike Holzenkämpfers alter Heimat Bienenbüttel und ihrer neuen Heimat Christchurch. Seit neun Jahren lebt sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern auf Neuseelands Südinsel. Sie hat dort schon Erdbeben miterlebt.

„Ich wollte in ein Land, wo ich weiß, dass ich die Sprache beherrsche. Denn um Freunde zu finden, muss ich die Sprache können“, sagt Meike Holzenkämpfer während des Dorfgesprächs mit Loni Franke und Björn Pamperin in der Bienenbütteler Markthalle.

Alle vier Jahre kommt die 47-Jährige aus Neuseeland, um ihr Heimatdorf Bienenbüttel zu besuchen. Gründe für die Auswanderung vor knapp neun Jahren waren die beruflichen Aussichten ihres Mannes, Andreas Willig. Stellen für Informatiker an Universitäten in Deutschland seien rar gesät.

Am Ende wird es Neuseeland. An der University of Canterbury in Christchurch, der zweitgrößten Stadt des Landes, bekommt Willig eine Stelle und auch die Naturstoffchemikerin arbeitet dort inzwischen an der School of Forestry. Dem einzigen Institut dieser Art in der südlichen Hemisphäre.

Im Februar 2010 wandert das Ehepaar mit seinen Kindern Lennart und Johanna, damals fünf und ein Jahr alt, aus. Die Dinge, die sie aus Deutschland mitnehmen wollen, werden mit dem Container nach Neuseeland verschifft. „Wir wurden gut aufgenommen. Die Neuseeländer sind sehr offen“, sagt die 47-Jährige. Es sei total normal, von Leuten gefragt zu werden, wie der Tag gewesen sei. Das habe nichts mit Oberflächlichkeit zu tun. „Man lebt immer noch wie in einem Dorf.“

Die Familie erlebt aber auch eine der schlimmsten Stunden in der Geschichte Christchurchs: das schwere Erdbeben vom 22. Februar 2011, bei dem 185 Menschen getötet werden. Vor allem das Zentrum und der Süden der Stadt seien betroffen gewesen, ihr Stadtteil sei verschont geblieben. „Bei einem Erdbeben hält einen nichts mehr auf den Beinen“, beschreibt Meike Holzenkämpfer die Wucht eines Erdbebens.

Ihr erstes Beben am 4. September 2010 hatte sie noch verschlafen. Noch bis 2012 habe es immer wieder Erdstöße gegeben. Seit den Beben ist immer etwas Bargeld, eine Taschenlampe und ein batteriebetriebenes Radio im Haus. „Erdbeben sind Teil der täglichen Routine in Neuseeland“, sagt sie.

An Deutschland vermisst Meike Holzenkämpfer Brot und Brötchen. Inzwischen backt sie mit eigenem Sauerteig und auch Gemüse baut sie in ihrem Garten an. So war auch einer ihrer ersten Wege bei ihrem Besuch in Deutschland der Gang zum Bäcker.

Bienenbüttel sei für sie immer ihre Heimat – der Ort, an dem sie aufwuchs. Christchurch nennt sie ein Zuhause. Sie fühle sich inzwischen als Neuseeländerin. „Neuseeland ist mein Zuhause, da gehe ich hin zurück“, sagt Meike Holzenkämpfer. Nur an eines hat sie sich in all der Zeit nur schwer gewöhnen können: an die unbeheizten Badezimmer in Neuseeland.

VON LARS LOHMANN

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