Von Schwarzfahren bis Belästigung

Bienenbütteler Intensivtäter in 71 Punkten angeklagt

Mehrere Frauen soll der Bienenbütteler belästigt haben, unter anderem durch Griffe an den Po.
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Mehrere Frauen soll der Bienenbütteler belästigt haben, unter anderem durch Griffe an den Po.
  • Daniel Bieling
    vonDaniel Bieling
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Bienenbüttel/Uelzen – Lange soll er Bienenbüttel und die Region in Atem gehalten haben: Jetzt steht ein in der Gemeinde wohnhafter Staatsbürger Guineas vor dem Amtsgericht in Uelzen.

Die Liste der Anklagepunkte, die dem 35-Jährigen zur Last gelegt werden, ist lang. So lang, dass die Verlesung durch die Staatsanwältin rund eine halbe Stunde dauert. 71 Taten werden dem Bienenbütteler vorgeworfen – unter anderem wegen sexueller Belästigung, Drohungen und unzähligen Fällen des Schwarzfahrens.

Dabei ist die Verlesung auch durch wiederkehrende Unterbrechungen durch den Angeklagten geprägt, der immer wieder durch Zwischenrufe, unverständliches Gemurmel und Lachen auffällt. „Haben Sie heute Morgen schon Alkohol getrunken?“, will Richter Jacobs wissen. „Nein, das sind die Medikamente“, entgegnet der Angeklagte.

Der erste Vorfall der Anklage ereignete sich am 20. Juli 2019. Hier soll der Angeklagte Passanten in Bevensen belästigt haben und einem Platzverweis der Polizei nicht nachgekommen sein. Einer der Beamten berichtet später im Zeugenstand, man habe den Angeklagten in Gewahrsam nehmen wollen, um weitere Straftaten zu verhindern. Zudem sei er stark alkoholisiert gewesen. Im Polizeiauto habe der Angeklagte dann mehrfach versucht, nach dem Polizisten zu treten, was der Angeklagte bestritt.

Unzählige Schwarzfahrten

Diesem Vorfall folgten zahlreiche weitere, darunter unzählige Schwarzfahrten. Allein zwischen Februar und August 2020 soll der Angeklagte 31 mal den Metronom bestiegen haben – meist ohne Fahrkarte und trotz eines bereits ausgesprochenen Beförderungsverbots. Die Vorwürfe gab der Angeklagte zu. „Ich muss den Zug fahren“, gab er zu Protokoll. „Ich muss nach Lüneburg, sonst kann ich kein Essen kriegen.“ In seinem Wohnort Bienenbüttel könne er nicht einkaufen, da er in allen Läden Hausverbot habe. Eine Fahrkarte kaufe er sich nicht, da er meist sowieso aus dem Zug geschmissen werde. Hausverbot in den Supermärkten hat der Angeklagte, da er mehrfach – auch dies ist Teil der Anklage – beim Diebstahl erwischt worden ist. So habe er in Bienenbüttel Energydrinks geklaut, während er einmal in Bevensen eine Lammkeule gestohlen haben soll.

Darüber hinaus soll der Bienenbütteler noch andere Taten auf dem Kerbholz haben. Mehrfach soll er Passanten, vor allem Frauen, belästigt haben. So soll er im März vergangenen Jahres einer Lüneburgerin beim Einkaufen mit dem Spruch „Hallo, wie geht’s dir Süße“ ans Gesäß gegriffen haben. Eine Inhaberin eines Bienenbütteler Geschäfts habe er zudem zum Geschlechtsverkehr aufgefordert und ihr an die Brüste gefasst. Darüber hinaus soll der 35-Jährige im Juni 2020 einer Kundin auf dem Parkplatz des Bienenbütteler Edekas gedroht haben: „Ich werde dich finden und töten.“ Einer anderen Frau soll er ebenfalls mit den Worten „Ich steche dich ab, ich schieße dich ab, ich werde dich töten“ gedroht haben.

Im August 2020 soll der Angeklagte zudem in Lüneburg gegen einen Baum uriniert haben. Dann habe er vor einem Pärchen „onanierende Bewegungen durchgeführt“, so die Anklage. Der Bienenbütteler gab zornig an, das Pärchen habe ihn zuerst filmen wollen. Die anderen Belästigungen oder Drohungen seien missverstanden worden: „Ich wollte nur Spaß machen. Ich war besoffen.“ Er habe mit Frauen reden, aber niemanden vergewaltigen wollen.

Die Stimme Satans

Andere Vorwürfe, etwa dass er einem Zugbegleiter in den Rücken geschlagen habe, bestritt der Angeklagte. „Manchmal wollen die Leute, dass ich Probleme habe. Die hassen mich. Die sind neidisch.“ Warum die Leute neidisch seien, wollte der Sachverständige Dr. Reinhard Friedrich wissen. „Weil ich machen kann, was ich will. Ich bin frei“, so der Angeklagte. Dies habe ihm Satan, den der Angeklagte mehrmals auch Stefan nannte, gesagt. Dessen Stimme höre er jeden Tag. Auf die Frage, was genau Satan ihm gesagt habe, wurde der Angeklagte erneut zornig: „Hör auf, mich das zu fragen.“

Der gesetzliche Vertreter des Angeklagten bestätigte, dass es zuvor schon Situationen gegeben habe, in denen der Angeklagte psychotisch reagiert habe. Von Satan habe er allerdings noch nichts erzählt. Die Lebenssituation des Bienenbüttelers beschrieb sein Vertreter als „sehr prekär“. Zudem habe er eine andere Wahrnehmung, weshalb er erschrocken darüber sei, dass seine Handlungen als Bedrohung oder Belästigung aufgenommen worden seien.

Der Prozess wird am Dienstag, 11. Mai, fortgesetzt.

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