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Fielen tödliche Schüsse in Bargdorf im Streit um Bäume?

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Von: Lars Becker

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Drei Tote auf Grundstücken - offenbar ein Nachbarschaftsstreit: Am 10.06.2022, Niedersachsen, Bargdorf: Ermittler der Polizei arbeiten am Tatort. Auf benachbarten Wohngrundstücken bei Bienenbüttel sind drei Leichen gefunden worden.
Auf zwei benachbarten Grundstücken in Bienenbüttel-Bargdorf wurden am Freitag drei Tote entdeckt. Offenbar war ein Nachbarschaftsstreit der Auslöser für die Tat. Es könnte dabei um Bäume an der Grundstücksgrenze gegangen sein. © Philipp Schulze | dpa

Der Hergang der schrecklichen Ereignisse von Freitagmittag (10. Juni) im Bienenbütteler Ortsteil Bargdorf, wo auf zwei benachbarten Grundstücken drei Leichen mit Schusswunden entdeckt worden waren, ist weitestgehend ausermittel. Das erklärte Kai Richter, Pressesprecher der Polizei, im Gespräch mit der AZ-Redaktion. Anlass der Eskalation könnte der Streit um Bäume an der Grundstücksgrenze gewesen sein.

Bienenbüttel – Nach der Tatortaufnahme und Spurensicherung, die am Sonnabend in der Siedlung Röpers Heide mit letzten Detailarbeiten abgeschlossen worden waren, steht demnach „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ (Richter) fest, dass ein 85-jähriger Anwohner das Nachbar-Ehepaar auf dessen Grundstück erschossen und sich anschließend in seinem eigenen Haus selbst getötet hat. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg sei in die Ermittlungen eingebunden, man gehe von einer Kurzschlusshandlung des Senioren aus.

Tatwerkzeug war laut Richter eine Kurzwaffe aus dem umfangreichen Waffenbesitz des Jägers. Nach Erkenntnissen der Ermittler herrschte zwischen den Nachbarn schon länger Zwist.

Anwälte, Sachverständige und Polizei eingeschaltet

Nach AZ-Informationen forderte das Ehepaar die Fällung von sturmbeschädigten Bäumen nahe der Grundstücksgrenze. Zuvor soll bereits ein Baum umgestürzt sein und ein Gästehaus beschädigt haben. Rechtsbeistände und Sachverständige sollen vor Ort gewesen sein. Die Polizei nahm offenbar von beiden Seiten Anzeigen auf – es ging um Beleidigung, nicht aber um körperliche Attacken.

Dieser fortwährende Streit eskalierte nach Überzeugung der Polizei am Freitag gegen 12.15 Uhr auf grausame Weise, als der 85-Jährige wohl erst den 62-jährigen Nachbarn und dann dessen 61-jährige Ehefrau mit der Waffe tötete.

Was angesichts fehlender Zeugen nebulös bleiben dürfte, ist die Antwort auf die Frage, ob der Senior direkt mit besagter Waffe zu den Nachbarn gegangen war oder ob er diese nach einem zunächst verbalen Streit geholt und damit auf das Grundstück des Ehepaares zurückgekehrt war, um seinen Tatplan umzusetzen.

Menschen in der Gemeinde stehen unter Schock

Nach der tödlichen Eskalation des Nachbarschaftsstreits, die bundesweit für Schlagzeilen sorgte, stehen die Menschen in der Gemeinde Bienenbüttel unter Schock. Niemand konnte sich eine solche Tat vorstellen. Auf seiner Facebook-Seite schrieb Bürgermeister Dr. Merlin Franke am späten Freitagabend: „Was dort heute passiert ist, kann ich immer noch nicht fassen. Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und den betroffenen Anwohnern.“ Damit spricht er vielen Menschen aus der Seele.

Etwa ein Dutzend Personen aus der Nachbarschaft hatte während des mehrstündigen Polizeieinsatzes seine Häuser verlassen müssen. Die Anwohner wurden im Feuerwehrgerätehaus in Bargdorf versorgt, durch Notfallseelsorger sowie Kräfte von Feuerwehr und Bereitschaft des DRK-Kreisverbandes betreut, der auch die Einsatzkräfte verpflegte. Bürgermeister Franke und die Gemeindeverwaltung hatten sich bemüht, die Nachbarn sofort bestmöglich zu unterstützen.

Parteien lebten seit Jahren nebeneinander

Zu den persönlichen Lebensumständen des Ehepaares und des 85-Jährigen wollte sich die Polizei nicht äußern. Die Parteien lebten aber bereits seit mehreren Jahren in der ehemaligen Ferienhaussiedlung nebeneinander.

Polizeisprecher Kai Richter bestätigte der AZ, dass die Leichen der erschossenen Eheleute (62/61) am Freitag bis zum Nachmittag nacheinander in einem weiteren Abstand voneinander aufgefunden worden waren – zunächst der Mann, später dann auch die Frau. Anwohner der Siedlung hatten erst Schüsse und auch Schreie gehört, die dann verstummten waren.

Noch offen, ob Obduktion der Leichen angeordnet wird

Dass beide Eheleute und der 85-Jährige Schussverletzungen aufwiesen, bestätigte Kai Richter jedoch. Zur Zahl der gefallenen Schüsse äußerte er sich nicht. Kriminaltechniker suchten am Sonnabend im Tatort-Bereich mit Metalldetektoren nach Patronenhülsen. Sicher sind die Ermittler, dass keine weitere Personen in das Tatgeschehen involviert waren.

Ermittler der Polizei arbeiten am Tatort. Auf benachbarten Wohngrundstücken bei Bienenbüttel sind drei Tote gefunden worden.
Der Tatort-Bereich war am Freitag weiträumig abgesperrt worden. © Philipp Schulze/dpa

Ob die drei Leichen angesichts der vermeintlich eindeutigen Spurenlage in dieser Woche obduziert werden, steht noch nicht fest, so Richter. Der gesamte Tatort-Bereich war bis Sonnabendmittag noch beschlagnahmt gewesen, Ermittler wollten noch Nachbarn vernehmen.

Keine Spekulation in sozialen Netzwerken

Trotz der Tatsache, dass eine Vielzahl an Einsatzfahrzeugen von Polizei, Spezialkräften aus Hamburg und Hannover und Rettungsdienst den Tatort anfuhren und auch ein Hubschrauber im Einsatz war, waren in sozialen Netzwerken keine Spekulationen über die Ereignisse in Bargdorf verbreitet worden. Der etwas abgelegene Bereich war weiträumig abgesperrt worden.

Drei Tote auf Grundstücken - Ermittlungen
Ein Ermittler der Polizei am Tatort: Mit Metalldetektoren wurden dort Patronenhülsen gesucht. © Philipp Schulze/dpa

Die massive Präsenz der Polizei mit Mobilem Einsatzkommando (MEK) sowie Spezialkräften erklärte Kai Richter damit, dass unklar gewesen sei, ob der 85-Jährige noch mit der Tatwaffe in der Siedlung herumlief oder sich aber in einem Gebäude aufhielt. Deswegen waren Türen mit Sprengstoff geöffnet worden – diese Geräusche waren weithin zu hören gewesen.

Hubschrauber, Drohne und Roboter vor Ort

Neben einer Drohne war sogar ein Delaborierungs-Roboter für Entschärfungen angefordert worden, falls sich der Verdacht bestätigt hätte, dass explosives Material auf dem Grundstück des 85-Jährigen lagerte. Dem war nicht so.

In Bargdorf kam es am Freitag zu einer blutigen und tödlichen Auseinandersetzung. Zahlreiche Einsatzkräfte waren vor Ort, darunter das MEK Lüneburg, Spezialkräfte aus Hamburg und Hannover sowie ein gepanzertes Fahrzeug aus Hamburg.
Zahlreiche Einsatzkräfte waren vor Ort, darunter das MEK Lüneburg, Spezialkräfte aus Hamburg und Hannover sowie ein gepanzertes Fahrzeug aus Hamburg. © Lars Becker

Richter: „Wir hatten eine Gefahrensituation: Jemand ist legal im Besitz von Waffen, aber nicht vor Ort. Das Gelände ist bewaldet, jemand könnte mit Langwaffen unterwegs sein – dann lassen wir größte Sorgfalt walten, damit nicht noch jemand zu Schaden kommt. Wir sind sehr sensibel vorgegangen.“

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