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Bienenbüttel: Hilfsverein Transplant Kids äußert sich zu rückläufigen Organspendezahlen

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Von: Jannis Wiepcke

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Ein Organspendeausweis wird in einer Hand gehalten
Die Zahl der Menschen, die nach ihrem Tod Organe gespendet haben, ist im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen – oft erfolgt die Organentnahme nicht, weil eine entsprechende Einwilligung fehlt. © Daniel Maurer

Die Zahl der Menschen, die Organe gespendet haben, ist im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Für Sarah Jakob vom Bienenbütteler Hilfsverein Transplant Kids liegt das vor allem an mangelnder Aufklärung.

Bienenbüttel - Es ist eine Entwicklung, die das Leben von Tausenden Patienten in Deutschland bedroht: Auch im vergangenen Jahr ist die Zahl der Menschen, die nach ihrem Tod Organe gespendet haben, weiter stark zurückgegangen. Führende Politiker, darunter Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, sprechen sich daher einmal mehr dafür aus, die Widerspruchslösung einzuführen. Das bedeutet: Alle Menschen würden nach ihrem Tod automatisch zu Organspendern werden, sofern sie der Entnahme nicht ausdrücklich widersprechen.

Für Sarah Jakob vom Bienenbütteler Hilfsverein Transplant-Kids wäre eine derartige Gesetzesänderung ein Schritt in die richtige Richtung. Gut sei, dass sich jeder aktiv mit dem Thema Organspende auseinandersetzen müsse. Dadurch werde ein größeres Bewusstsein dafür geschaffen. Jakob hat nämlich vielmehr die mangelnde Aufklärung über das Thema als eine fehlende Spendenbereitschaft für den Abwärtstrend bei den Organentnahmen ausgemacht.

„Es sollte kein Tabuthema mehr sein, darüber zu reden“, fordert Jakob. Mit dem Thema Tod hätten viele Menschen Berührungsängste. Da der Wille eines möglichen Organspenders oft gar nicht oder nur unzureichend erfasst sei, entscheiden sich ihrer Meinung nach viele Angehörige, die für die Verstorbenen im Zweifel entscheiden müssen, aus Unsicherheit gegen die Organentnahme.

„Ich glaube, dass die Mediziner in der Ausbildung viel mehr sensibilisiert werden sollten“, sagt sie. So führe während des Medizinstudiums und der Praxisarbeit im Krankenhaus das Thema Organspende weitestgehend ein Schattendasein. Und drohe dann während der Herausforderungen des Alltags komplett unterzugehen. Dadurch fühlten sich Ärzte in Situationen, in denen es um eine mögliche Organspende gehe, auch überfordert. Denn egal ob Transport, Betreuung oder Behandlung der Patienten: „Das ist emotional für die ganze Belegschaft schwierig“, weiß Jakob zu berichten, der selbst eine neue Lunge transplantiert wurde.

Dazu kommen aus ihrer Sicht noch weitere Faktoren, die die Zahl der Organspenden in Deutschland negativ beeinflussen und an denen gearbeitet werden müsse. Einer davon sei das Geld. „So bitter das ist: Aber eine Behandlung ist einfach teuer“, spricht sie aus eigener Erfahrung – die Kosten für eine Organtransplantation, die sich oft im sechsstelligen Euro-Bereich bewegen, seien bei den Kliniken oft nicht gedeckt. Ebenfalls komme es vor, dass auf eine Organentnahme aus Gründen der Wirtschaftlichkeit verzichtet wird. Das fehlende Krankenhauspersonal infolge der Corona-Pandemie habe dann vermutlich sein Übriges zu den rückläufigen Zahlen beigetragen.

Jakob möchte aber nicht nur Forderungen stellen: „Denen, die sich dafür entschieden haben, wird zu selten gesagt: ,Toll, dass du dich entschieden hast.‘“ Generell ist es ihr wichtig, dass den jetzigen Spendern mehr Dankbarkeit entgegengebracht wird. Das könne wiederum einen Domino-Effekt bewirken und weitere Menschen zur Organentnahme bewegen. „Man würde sich als Angehöriger total freuen, wenn da beispielsweise ein Dankesbrief kommen würde“, sagt sie. Leider sei es aus datenschutzrechtlichen Gründen äußerst schwierig, den Kontakt zwischen Spendern und Organempfängern zu vermitteln.

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