Bauprojekt an der Poststraße in den Startlöchern

Bienenbüttel: Denkmalschutz stellt sich noch quer – Baugenehmigung fehlt

Hier ist das Hauptgebäude der denkmalgeschützten Vogtei zu sehen. Daneben eines der geplanten neuen Mehrfamilienhäuser.
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Hier ist das Hauptgebäude der denkmalgeschützten Vogtei zu sehen. Daneben eines der geplanten neuen Mehrfamilienhäuser.

Bienenbüttel – Die Unterlagen sind im Prinzip vollständig. Alle Vorgaben der Gemeindeverwaltung sowie der politischen Gremien in Bienenbüttel sind erfüllt.

Auch den städtebaulichen Vertrag mit der Gemeinde hat Investor Thomas Gläsel nach eigener Aussage bereits unterzeichnet.

Alte Gebäude auf dem Grundstück an der Poststraße direkt im Ortskern wurden bereits Anfang Februar abgerissen. Und dennoch kann Gläsel bislang nicht mit dem Bau von 36 Wohneinheiten beginnen. Das Problem: Die Baugenehmigung fehlt.

Es liege aktuell alles am Denkmalschutz des Landkreises Uelzen, erklärt Gläsel im Gespräch mit der AZ: „Ich denke, dass das Erscheinungsbild nach seiner Auffassung einfach zu neumodern ist.“ Immer wieder fordere der zuständige Sachbearbeiter der unteren Denkmalschutzbehörde neue Visualisierungen aus wieder anderen Perspektiven, schildert der Investor seine Sicht der Dinge. „Ich stehe jetzt irgendwie zwischen den Stühlen und weiß nicht so recht, was ich noch machen soll.“

Wunsch nach Dachüberständen?

Er meint, dass sich der Denkmalschutz-Mitarbeiter Gebäude mit Dachüberständen wünsche, was vom Gemeinderat aber abgelehnt worden sei. „Ich habe mehrere Konzepte vorgestellt, die Gemeinde hat die Planungshoheit“, betont Gläsel. Erst mit der Stellungnahme des Denkmalschutzes werde eine Baugenehmigung erteilt, weiß er. Diese fehle eben aktuell noch in den Unterlagen zum Bauantrag.

Warum das Bauvorhaben überhaupt auf dem Schreibtisch der unteren Denkmalschutzbehörde liegt, obwohl das betroffene Grundstück selbst gar nicht denkmalgeschützt ist, erklärt Landkreis-Pressesprecher Martin Theine auf Nachfrage der AZ: „Das Schutzbedürfnis eines Baudenkmals erstreckt sich auch auf dessen Umgebung.“ Deshalb dürfen in der Umgebung eines solchen Baudenkmals keine Anlagen errichtet, geändert oder beseitigt werden, wenn dadurch das Erscheinungsbild des Baudenkmals beeinträchtigt wird.“

Und weiter: „Bauliche Anlagen in der Umgebung eines Baudenkmals sind so zu gestalten und instandzuhalten, dass eine solche Beeinträchtigung nicht eintritt.“ Das Baudenkmal, um das es in diesem Fall geht, ist die alte Vogtei. Das älteste Gebäude Bienenbüttels ist denkmalgeschützt und grenzt direkt an das Grundstück, auf dem Gläsel bauen möchte.

Fehlen die passenden Visualisierungen?

Diese Visualisierung zeigt das geplante Bauprojekt aus der Vogelperspektive. Links ist das ehemalige Gasthaus Moritz zu erkennen. Die neuen Gebäude sind ohne Dachüberstände geplant.

Die untere Denkmalschutzbehörde habe dem Antragsteller – also Thomas Gläsel – bereits im Juli des vergangenen Jahres mitgeteilt, dass „für die denkmalfachliche Beurteilung perspektivische und bildhafte Darstellungen des Bestandes und der Planung erforderlich sind, die von denkmalbehördlich vorgegebenen Standorten aus erfolgen“, erklärt Theine.

Diese Standorte seien so ausgewählt worden, dass die alte Vogtei gemeinsam mit der geplanten Bebauung zu sehen ist. Nur auf dieser Grundlage könne die Vereinbarkeit der Planung mit den zuvor genannten Anforderungen geprüft und dokumentiert werden. „Die im Antragsverfahren bisher eingereichten Visualisierungen sind hierfür ungeeignet“, sagt Theine nach Rücksprache mit dem zuständigen Sachbearbeiter. Eine weitere Bearbeitung des Vorgangs sei erst möglich, wenn dem Landkreis Uelzen die geforderten Unterlagen vorliegen.

VON FLORIAN BEYE

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