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Schüsse aus zwei Waffen: Jäger (85) tötete Nachbarn mit Schrotgewehr

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Von: Lars Becker

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Der tödliche Nachbarschaftsstreit in Bargdorf hatte für eine große mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Nach der Obduktion steht jetzt fest, dass der 85-Jährige seinen Nachbarn (62) mit einem Schrotgewehr und die Nachbarin (61) mit einer Kurzwaffe erschoss.
Der tödliche Nachbarschaftsstreit in Bargdorf hatte für eine große mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Nach der Obduktion steht jetzt fest, dass der 85-Jährige seinen Nachbarn (62) mit einem Schrotgewehr und die Nachbarin (61) mit einer Kurzwaffe erschoss. © Lars Becker

Die am Montag im Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf durchgeführte Obduktion hat zum tödlichen Nachbarschaftsstreit im Bienenbütteler Ortsteil Bargdorf von Freitag ein neues, schreckliches Detail zutage gefördert: Der Täter erschoss den Nachbarn mit einem Schrotgewehr.

Bienenbüttel-Bargdorf – Wie Jan Christoph Hillmer, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Lüneburg, der AZ am Mittwoch bestätigte, nutzte der mutmaßliche Täter (85) nicht – wie zunächst von den Ermittlern angenommen – ausschließlich eine Kurzwaffe, um das Nachbar-Ehepaar (62/61) auf dessen Grundstück und anschließend sich selbst in seinem eigenen Haus zu töten.

„Beide Eheleute sind laut dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion an Schussverletzungen gestorben. Der Mann wurde aber mit einem Schrotgewehr erschossen, die Frau mit einer Kurzwaffe. Mit einer solchen beging der mutmaßliche Täter danach auch den Suizid“, sagte Hillmer. Damit steht fest, dass der 85-Jährige gleich zwei der insgesamt drei scharfen, amtlich registrierten Waffen aus seinem Besitz für die tödlichen Schüsse einsetzte.

Todesermittlungsverfahren wird eingestellt

Allerletzte Details des Tatablaufs seien in Ermangelung von Zeugen voraussichtlich nicht mehr aufzuklären, so Hillmer. Das Todesermittlungsverfahren werde vonseiten der Staatsanwaltschaft eingestellt, sobald der polizeiliche Abschlussbericht und die schriftlichen Gutachten der Obduktionen vorliegen würden. Seitens der Polizei seien nur noch geringfügige Nachermittlungen vorgesehen. Bis zum Vorliegen der schriftlichen Obduktionsergebnisse könne es aber noch mehrere Woche dauern.

Martin Theine, Pressesprecher des Landkreises Uelzen, sagte, dass der Waffenbehörde im Kreishaus weder Hinweise auf psychische Probleme oder Gewalttätigkeiten bei dem 85-Jährigen noch Hinweise auf einen unrechtmäßigen Umgang mit Waffen oder Munition vorgelegen hätten.

Jagdschein am 11. April 2022 um ein Jahr verlängert

Deshalb sei dessen Jagdschein nach entsprechender Prüfung zuletzt am 11. April 2022 um ein Jahr verlängert worden. Zwei Lang- und eine Kurzwaffe seien in der Waffenbesitzkarte registriert gewesen. „Das ist auch das an Waffen, was vor Ort gefunden worden ist“, betonte Jan Christoph Hillmer für die Staatsanwaltschaft.

„Die Zuverlässigkeit wird im Waffenrecht geregelt. Bei der entsprechenden Prüfung werden Auskünfte aus dem Bundeszentralregister, aus dem Verfahrensregister, vom Verfassungsschutz und von der Polizei eingeholt“, erläuterte Kreissprecher Theine. Die beim Ordnungsamt angesiedelte Waffenbehörde des Landkreises verlängere Jagdscheine von Personen im Alter von über 80 Jahren grundsätzlich nur für ein Jahr, darunter für drei Jahre. Sollen neue Waffen auf der Waffenbesitzkarte eingetragen werden, erfolge eine erneute Prüfung, sofern die letzte mehr als sechs Monate zurückliege.

Landkreis Uelzen hat fast 10.000 Waffen registriert

Insgesamt habe der Landkreis Uelzen aktuell 1679 Jagdscheine ausgestellt. 8038 Lang- und 1935 Kurzwaffen seien registriert – weitere über die Hansestadt Uelzen, erläuterte Kreissprecher Martin Theine. Über einen Jagdschein verfügten acht 16- bis 17-Jährige, 466 18- bis 40-Jährige, 941 41- bis 70-Jährige und 264 über 70-Jährige.

In der Vergangenheit seien auch Waffenbesitzkarten widerrufen oder Jagdscheine eingezogen, wenn die waffenrechtliche Unzuverlässigkeit festgestellt worden oder die persönliche Eignung nicht gegeben gewesen sei.

Waffen müssten in qualifizierten und verifizierten Waffenschränken aufbewahrt werden. Das werde stichprobenartig oder im Verdachtsfall auch überprüft.

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