Der Bienenbütteler Schlossermeister Waldemar Solinski schützt sich nach einem Einbruch

Bienenbüttel: Arbeiten hinter Natodraht

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Nach dem zweiten Einbruch innerhalb von zehn Jahren weiß sich Handwerker Waldemar Solinski (56) nicht mehr anders zu helfen als mit Natodraht, wie er sonst nur auf Kasernen verwendet wird.

Bienenbüttel. Die Klingen sind messerscharf. Sie glänzen in der Sonne. Es ist kein einfacher Stacheldraht, der sich da in Schleifen auf dem Zaun hinwindet, sondern Natodraht, erfunden, um militärische Einrichtungen wie Kasernen zu schützen.

Waldemar Solinski ist kein Kommandant und er trägt keine Uniform, aber er hat Zweifel, ob er seinen Handwerksbetrieb im Bienenbütteler Gewerbegebiet Kläpenberg noch mit den üblichen Maßnahmen vor Einbrechern schützen kann. Er ist nicht der erste Gewerbetreibende im Kreis Uelzen, der zu diesem letzten Mittel greift.

Solinski ist Zaunbauer. Er hat Freude an individuellen Toren aus Schmiedeeisen. Der Draht mit den martialischen Klingen ist ihm zuwider. „Ich mag das nicht. Ich würde den Draht am liebsten wegreißen“, sagt der 56-jährige Schlossermeister, aber er weiß sich nicht mehr anders zu helfen. „Das wird immer schlimmer. Man kann sich gar nicht mehr schützen. Die Alarmanlage nützt auch nichts.“ Viele Betriebe am Kläpenberg hätten bereits ein oder mehrere Male Besuch von Einbrechern gehabt. Sogar ganze Radlader seien gestohlen worden.

Bei ihm kamen die Langfinger im August. Spuren zeigen, dass sie über den hohen Zaun geklettert sein müssen, über ein Fenster im Büro drangen sie in die Werkhalle ein. Erst als ein fertiggestelltes schmiedeeisernes Tor ausgeliefert werden sollte, fiel der Einbruch auf. Auch ein Hochdruckreiniger und ein hochwertiger Bohrhammer wurden entwendet. Den Schaden beziffert der Zaunbauer auf 10 000 Euro. „Wenn wir Ende des Jahres Inventur machen, wird rauskommen, dass noch mehr weg ist“, meint Solinski. Es war der zweite Einbruch innerhalb von zehn Jahren.

Die Täter müssen zu viert gewesen sein, sonst hätten sie das schwere Tor wohl nicht über den Zaun hieven können. Der Handwerker ist überzeugt, dass sie einen Transporter oder einen Lkw haben, um einzusteigen. „Hier stehen sehr oft Laster. Wenn da einer rübersteigt, bekommt das keiner mit“, glaubt Solinski. Er zieht seine Konsequenzen daraus. „Wir werden noch Kameras installieren“, sagt Solinski.

Polizeisprecherin Antje Freudenberg hat keine Erkenntnisse über eine Einbruchsserie. Unternehmen können sich nach ihren Worten durch Alarmanlagen und Kameraüberwachung schützen. „Wenn Personen in der Straße herumstrolchen , dann kann man sie ansprechen. Von verdächtigen Autos kann man die Kennzeichen aufschreiben“, erklärt die Sprecherin. Das Präventionsteam der Polizei bietet außerdem eine individuelle Beratung an.

Von Gerhard Sternitzke

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