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Betreiber schließen Bienenbütteler Hotel und Restaurant „Zur alten Wassermühle“ nach 32 Jahren

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Von: Jannis Wiepcke

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Hotel und Restaurant „Zur alten Wassermühle“ in Bienenbüttel
Hölzerne Transmissionsräder hängen über dem Eingang des Hotels und Restaurants. © Wiepcke, Jannis

Nach 32 Jahren ist Schluss: Jürgen Brümmer hat das Bienenbütteler Hotel und Restaurant „Zur alten Wassermühle“ verkauft. Die Gaststätte öffnet am 4. Dezember letztmalig ihre Türen.

„Zimmer belegt“ steht auf dem Schild, das vor dem Eingang mit den hölzernen Transmissionsrädern im Wind baumelt. Auf einem Kärtchen im rustikalen Speisesaal, der über die Jahre den Duft von gutbürgerlicher deutscher Küche, von Rotkohl und Gänsebraten konserviert hat, ist die Inschrift „Reserviert“ zu lesen. Die Stühle und Tische im Veranstaltungsraum stehen sich in freudiger Erwartung der nächsten Feiergesellschaft gegenüber. Nichts deutet darauf hin, dass in Bienenbüttel bald ein Stück Dorfleben verloren gehen wird. Doch am 4. Dezember wird Jürgen Brümmer die Türen zum Hotel und Restaurant „Zur alten Wassermühle“ ein letztes Mal abschließen.

Leicht gefallen ist die Entscheidung dem 69-Jährigen nicht, denn eines ist offensichtlich: Brümmers Betrieb brummt. Er stellt für junge und alte Bienenbütteler, für Schützen, Kegelfreunde und Sportvereine gleichermaßen einen Anziehungspunkt dar. Auch Gäste aus Melbeck oder Bad Bevensen schauen hier häufiger vorbei.

„Die Nachfrage ist ohne Weiteres da. Arbeit wäre genug gewesen“, sagt Brümmer. „Wäre“. Wäre da nicht die erhebliche Belastung, die den Bienenbütteler und seine Frau Sabine veranlasst, sich zur Ruhe zu setzen und ihr Lebenswerk aufzugeben. „Nach 32 Jahren reicht es einfach“, erklärt der 69-Jährige, ergänzt dann aber: „Es fällt besonders schwer, weil man das hier aus dem Nichts aufgebaut hat“.

Im Jahr 1990 übernahmen die Brümmers das Hotel und Restaurant „Zur alten Wassermühle“ von Ernst-Ludwig Wagner. Sie erweiterten das historische Gasthaus, dessen Geschichte sich bis in das Jahr 1550 zurückverfolgen lässt, um eine Kegelbahn und einen Feiersaal und legten so den Grundstein für ihre erfolgreiche gastronomische Tätigkeit in dem Hause. Die notwendige Erfahrung brachte die Familie aus dem zehnjährigen Betrieb des Gasthauses Moritz in Bienenbüttel mit. Dieses musste bereits im Jahr 2014 endgültig den Betrieb einstellen, weil es an keinen neuen Betreiber vermittelt werden konnte – ein ähnliches Schicksal ereilt nun auch das Hotel und Restaurant „Zur alten Wassermühle“.

„Es gibt einfach kein Personal mehr“, klagt Brümmer. Als Beispiel nennt er die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Köche. Zunehmend weniger von ihnen würden jährlich ausgebildet. Und diejenigen, die dann verfügbar seien, würden ihr Handwerk nicht ausreichend genug verstehen. Die Konsequenz: Ein Großteil der Arbeit lag zuletzt in den Händen der Familie Brümmer. Das zehrte an den Kräften. „Wenn Corona nicht gekommen wäre“, wäre das Haus laut Brümmer längst verkauft gewesen.

Nachdem Gespräche mit „mehreren und guten“ Interessenten aus der Gastronomie an der fehlenden Finanzierungsbereitschaft der Banken scheiterten, hat Brümmer das Hotel und Restaurant nun schweren Herzens an branchenfremde Käufer verkauft. „Was die neuen Betreiber damit machen, weiß ich nicht“, erklärt er. Vom Abriss des Gebäudes bis zu einer grundlegenden Umgestaltung sei vieles denkbar. Ziemlich sicher ist für ihn aber, dass es in absehbarer Zeit nicht zu einem Hotel- oder Gastronomiebetrieb kommen wird. Das ist ein schwerer Schlag für die Gemeinde.

„Wir kriegen immer mehr Häuser, aber an der Gastronomie hapert es“, ärgert sich Brümmer. Von den 15 Gaststätten, die es gab, als Brümmer den Betrieb des Gasthauses Moritz aufnahm, bleibt nach der Schließung des Hotels und Restaurants „Zur alten Wassermühle“ nur noch die Markthalle in Bienenbüttel.

Und was bleibt bei Brümmer zurück? „Dankbarkeit für die vergangenen 42 Jahre“, sagt er an seine Kunden gerichtet. Bis zu dem Tag, an dem der 69-Jährige die Türen das letzte Mal schließt, ist das Hotel und Restaurant „Zur alten Wassermühle“ komplett ausgebucht.

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