Frühe Vögel in Badeschlappen

Ein Besuch bei den Morgen-Schwimmern im Waldbad in Bienenbüttel

Schwimmmeister Holger Ratajczak mit zwei seiner „frühen Vögel“, die regelmäßig mit dabei sind.
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Schwimmmeister Holger Ratajczak mit zwei seiner „frühen Vögel“, die regelmäßig mit dabei sind.

Bienenbüttel – Fröhliches Geplauder und ein herzliches „Hallo!“ klingt durch das Waldbad in Bienenbüttel. Um halb sieben ziehen schon zahlreiche Schwimmer ihre Bahnen, das Bad ist gut gefüllt.

Das Wetter ist perfekt für die frühen Vögel im Wasser: Die Sonne zeigt sich am quietschblauen Himmel, ein laues Lüftchen weht, und es ist angenehm warm. Holger Ratajczak ist der Schwimmmeister des Bads und kennt seine zuverlässigen Frühschwimmer. „Viele kommen schon seit Jahren. Das ist eine ganz besondere Truppe.“

Schwimmen als Ausgleich zum Alltag

Morgenmuffel sucht man hier vergeblich, die Frühaufsteher sind gut gelaunt. „Das gehört für uns zu einem schönen Sommermorgen dazu. Da startet man ganz anders in den Tag“, rufen sie vom Beckenrand.

Vor zwei Jahren hat Birgit Lange aus Steddorf das morgendliche Schwimmen für sich entdeckt. „Ich schaffe es leider nur von Freitag bis Sonntag. An den anderen Tagen ist es zeitlich eng.“ Sie habe sich ganz bewusst für das morgendliche Schwimmen entschieden, weil das Bad dann noch nicht so voll ist und man entspannter schwimmen kann. „Ich brauche das zum Ausgleich zum Alltag“, sagt Lange.

Einige Schwimmer nehmen sich bewusst vor der Arbeit die Zeit, sich zu bewegen und sich auf den Tag einzustimmen. „Die kommen in Schlappen und Trainingsanzug und ziehen nach dem Schwimmen ihren Anzug an, um zur Arbeit zu fahren“, weiß Holger Ratajczak, den die Frühschwimmer nur „Holger“ nennen.

Bewegung und Klönschnack

Gerade für die älteren Badegäste ist der morgendliche Besuch im Waldbad wichtig, weiß der Schwimmmeister. „Das sind kleine Runden, die sich schon seit Jahren treffen. Für die Alleinstehenden ist der Kontakt besonders wichtig. Ein bisschen Klönschnack halten, die neuesten Nachrichten austauschen. Das Bad hat eine wichtige soziale Funktion. Wenn beispielsweise mal einer fehlen sollte, dann wird auch schon mal nachgefragt.“ Bei einer Wassertemperatur von 23 bis 24 Grad lässt es sich gemütlicher und langsamer schwimmen, sodass Zeit fürs Plaudern bleibt.

Dazu ist das Schwimmen für alle Generationen ideal, sind zwei rüstige Herren im Bad überzeugt. „Wir müssen uns in unserem Alter bewegen, sonst rostet man ein“, sagen sie lachend. Auch ihre Enkel gehen in den Sommerferien regelmäßig ins Schwimmbad. „Die brauchen Bewegung, so lange wie die vor dem Computer sitzen.“

Holger Ratajczak erzählt von einer 90-jährigen Dame, die noch im hohen Alter ins Schwimmbad kam, um sich ein bisschen fit zu halten. „Sie hatte einen Rollator und sagte, dass Schwimmen halte sie fit“, erinnert sich der Schwimmmeister.

Waldbad ist nicht nur bei Einwohnern beliebt

Ein Ehepaar kommt seit rund 35 Jahren nach Bienenbüttel, um hier zu schwimmen. „So ganz genau wissen wir das nicht mehr“, scherzen sie. Das Paar freut sich immer auf die bevorstehende Freibadsaison in Bienenbüttel. „Wir kommen auch bei schlechterem Wetter. Die Anlage und das Schwimmbad sind einfach herrlich“. Und es sind nicht nur die Bienenbüttler, die ihr Bad zu schätzen wissen – an diesem Morgen schwimmen Jelmstorfer, Embsener und Melbecker. „Das Bad hier macht schon um sechs Uhr auf. Das finden wir richtig prima“, erzählt eine Damengruppe.

Ein junges Ehepaar hat gerade Urlaub und nutzt das herrliche Wetter. „Wir haben uns vorgenommen, entweder zu schwimmen oder zu laufen und haben uns fürs Schwimmen entschieden.“ Ob sie jetzt vielleicht öfter herkommen? – „Wir würden sehr gerne, aber es passt nicht immer mit den Arbeitszeiten.“

Das Schwimmbad ist in drei Bahnen eingeteilt, auf die sich die schnelleren und gemütlichen Schwimmer leicht verteilen, sodass sich sportlichere Schwimmer und Freizeitschwimmer nicht ins Gehege kommen. So vergeht der Morgen, und der Strom der Schwimmer reißt nicht ab. „Was brauche ich Mallorca, wenn ich so ein schönes Bad und das passende Wetter habe?“, fragt ein Mann lachend und springt beherzt ins kühle Nass. VON NICOLE LÜTKE

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