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Bauernkinder als Mobbingopfer

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Von: Lars Lohmann

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Jeder zehnte 15-jährige Schüler wird laut einer OECD-Studie immer wieder das Ziel von Spott und Lästereien. Kinder von Landwirten werden laut Kinderschutzbund Niedersachsen besonders häufig gemobbt. Foto: dpa
Jeder zehnte 15-jährige Schüler wird laut einer OECD-Studie immer wieder das Ziel von Spott und Lästereien. Kinder von Landwirten werden laut Kinderschutzbund Niedersachsen besonders häufig gemobbt. © dpa

Varendorf/Landkreis. Mobbing ist laut einer OECD-Studie ein Problem an deutschen Schulen. Fast jeder zehnte 15-jährige Schüler wird immer wieder das Ziel von Spott und Lästereien.

In diesem Zusammenhang beklagen viele landwirtschaftliche Funktionäre, dass gerade die Kinder von Bauern, die konventionelle Landwirtschaft betreiben, gemobbt werden. Aber auch der Kinderschutzbund Niedersachsen und dessen Vorsitzender Johannes Schmidt sprechen von einem Problem, von dem fast jede Familie betroffen sei. Die Bauernregel-Kampagne von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks habe diese Entwicklung noch weiter verstärkt.

„Wenn man in den sozialen Medien unterwegs ist, sieht man, welches Hasspotenzial es heutzutage in der Gesellschaft gibt“, sagt Kreislandwirt Thorsten Riggert auf AZ-Nachfrage. Es habe Fälle gegeben, wo Kindern in der Schule von Lehrern gesagt wurde, dass die Landwirtschaft, wie sie ihre Eltern betreiben würden, falsch und Tierquälerei sei. Da sei man auch mit Gesprächsangeboten gegen eine Wand gefahren. In anderen Fällen seien Kinder nicht mehr zum Geburtstag eingeladen worden, weil ihre Eltern Landwirte sind. „Man muss diese Art von Landwirtschaft ja nicht lieben, aber man sollte es nicht an den Kindern auslassen“, so Riggert. Solch ein Verhalten öffne Tür und Tor für Mobbing – eben auch an Schulen.

„Das Ganze wurde nochmal durch die rufschädigende Kampagne von Frau Hendricks verstärkt. Mit einer solchen Polemik hat sie einen ganzen Berufsstand verunglimpft“, sagt Riggert. Dies führe dazu, dass die Landwirte mit sachlichen Argumenten oft gar nicht mehr weiterkämen, wenn es etwa um den Bau eines Schweinestalls gehe. „Es wäre gut, wenn wir alle einfach mal ein bisschen runterfahren, überlegen, Pauschalurteile weglassen und die Leute nicht gleich an die Wand nageln“, so der Kreislandwirt. Niemand wolle doch einfach so über einen Kamm geschert werden. Verallgemeinerungen würden nicht helfen. „Jeder sollte doch dazu fähig sein, sachlich miteinander ins Gespräch zu kommen“, meint Riggert.

Der Sprecher der Arbeitgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) Eckehard Niemann hingegen spricht von einer agrarpolitischen Instrumentalisierung von Bauernkinder-Mobbing. „Die AbL wendet sich entschieden gegen jedes Mobbing von Schulkindern – egal welche Themen das Mobbing-Problem bedient. Jeder Fall von Mobbing ist einer zu viel“, so der Varendorfer. Bei einer Umfrage unter 817 Landwirten hätten 17 Prozent von Mobbing berichtet, knapp 16 Prozent der Neuntklässler würden laut Auswertung der OECD-Studie gemobbt. „Das entspricht etwa dem Prozentsatz, dem Kinder generell Mobbing ausgesetz werden“, so Niemann. Wichtig sei, das es eine Null-Toleranz-Praxis für Mobbing gebe und das Thema nicht mit politischen Zielen zu verquicken.

Von Lars Lohmann

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