Hanno Kiehl ist international bekannt und hat Werkbänke in Steddorf, Hamburg und Norwegen

Ein Bassist, der Gitarren baut

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Einblick in die Werkstatt eines Gitarrenbauers: Hanno Kiehl befestigt die Saiten an einer Gitarre. Nach Stationen im norwegischen Bergen und in Hamburg lebt Kiehl nun in Steddorf.

Steddorf. Hanno Kiehl legt sich eine rote Schürze um, greift in ein Regal in seiner Werkstatt, zieht eine Feile heraus und beginnt am Hals einer Gitarre zu werkeln. Korpus, Decke und Hals sind schon zusammengebaut. Die Saiten fehlen noch. Kiehl ist konzentriert.

Dann wischt er sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Hände wirken filigran, aber kräftig.

Hanno Kiehl ist Gitarrenbauer. Und seit gut einem Jahr lebt er mit seiner Familie in Steddorf. Zuvor arbeitete der 45-Jährige im norwegischen Bergen und in Hamburg, hat dort auch jeweils noch eine Werkbank in Werkstätten von anderen Gitarrenbauern. „Aber hier in Steddorf habe ich alles, um eine Gitarre zu bauen“, sagt Kiehl lächelnd.

Betritt man seine Werkstatt, fallen einem zunächst eine kleine Gitarre, eine Geige und eine Mandoline ins Auge, die von der Decke hängen. Auf dem Werktisch steht eine fast fertige Gitarre, nur die Lackierung fehlt noch. An einer anderen Wand sind vorgefertigte Gitarrendecken befestigt. In den Regalen stehen Gläser mit Flüssigkeiten, Pulvern und etwas, das aussieht wie Bernstein-Splitter. „Das ist Schellack, ein Ausscheidungsprodukt der Lackschildlaus“, erklärt Hanno Kiehl. Die harzige Substanz wird in Alkohol aufgelöst und als Lack für die Gitarren verwendet. „Das ist die altmodische Methode und ermöglicht eine dünne, hochglänzende Fläche“, sagt der Gitarrenbauer. Die Schicht müsse dünn sein, damit das Holz schnell zu schwingen beginnt. Dadurch entsteht der Ton.

Hanno Kiehl hat mit seinem Beruf Gitarrenbauer zwei seiner Interessen miteinander kombiniert: „Ich habe mich schon immer für Musik und Handwerk begeistert“, erzählt der Familienvater, der selbst auch ein Instrument spielt: E-Bass. Auf der Gitarre „klimpere ich nur mal für die Kinder rum.“ Und wenn er jetzt noch einmal die Wahl hätte, welches Instrument er bauen würde, „dann würde ich mich für das Cello entscheiden, ein absolut geiles Instrument.“

Etwa einen Monat brauche er, um eine Gitarre zu bauen: drei Wochen für den Bau an sich und eine fürs Lackieren. „Das gilt aber nur, wenn ich wirklich nur an einer Gitarre baue“, betont Kiehl. Einen Großteil seines Geschäfts mache die Reparatur alter Gitarren aus. Kunden habe er hauptsächlich in Norwegen und Deutschland. „Ich habe auch schon mal eine Gitarre nach Griechenland verkauft“.

Beinahe wäre Hanno Kiehl beruflich in eine ganz andere Richtung gegangen: „Ich habe bis zum ersten Staatsexamen Sport und Biologie auf Lehramt studiert.“ Doch noch während des Studiums arbeitete er ab 1998 mit dem bekannten Gitarrenbauer Michael Wiechmann, ehe er sich 2005 den Traum von einer eigenen Werkstatt in Norwegen erfüllte. Nach knapp 20 Jahren im Geschäft bereut Hanno Kiehl seine Berufswahl keinesfalls. Jedes Mal, wenn er eine Gitarre baue, sei es eine große Aufgabe, die richtige Balance zwischen Schwingung und Stabilität zu schaffen. „Den Klang einer neuen Gitarre zum ersten Mal zu hören, ist das Spannendste.“

Von Florian Beye

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