Sie sammelt den Regen

Bargdorferin Heike Meyer ist ehrenamtliche Wetterbeobachterin

+
Heike Meyer ist seit 2013 ehrenamtliche Wetterbeobachterin für den Deutschen Wetterdienst. Alle 24 Stunden übermittelt sie den Niederschlag. 

Bargdorf – Heike Meyer ist ehrenamtliche Wetterbeobachterin des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Jeden Morgen zur selben Zeit – im Sommer um 7.50 Uhr und im Winter um 6.50 Uhr – legt sie ein und denselben Weg auf die Wiese hinter dem Hof in Bargdorf zurück.

Dann öffnet sie den Metallzylinder und misst, wie viel Wasser sich im genormten Auffanggefäß innerhalb von 24 Stunden gesammelt hat.

Für Heike Meyer ist der allmorgendliche Gang zur Messstation inzwischen fester Bestandteil des Tagesablaufs. „Das Messen um 7.50 Uhr fällt mir schwerer als um 6.50 Uhr“, sagt sie. „Im Sommer ist man in Action, da muss man dann daran denken“, erklärt Heike Meyer, die zusammen mit ihrem Mann in Bargdorf einen Bauernhof bewirtschaftet. Seit 2013 misst sie ehrenamtlich den Niederschlag für den Bereich Bienenbüttel der vergangenen 24 Stunden für den DWD und meldet ihn übers Internet.

Gemeldet hat sie sich aufgrund eines Zeitungsberichts. „Es wäre schade gewesen, wenn es keiner weitergemacht hätte“, sagt sie. Das Interesse am Wetter sei natürlich auch beruflich bedingt. Denn in der Landwirtschaft sei man eben auch an genauen Messungen des Niederschlags interessiert. Daher habe man auch schon früher auf dem Hof den Regen gemessen, jetzt aber eben noch genauer als zuvor. „Das hilft allen Landwirten in der Region“, sagt die Bargdorferin.

Wie wichtig die Daten der ehrenamtlichen Wetterwarte sind, betont auch Jörg Deuber vom DWD: „Die gesammelten Daten werden in vielen anderen Aufgabenbereichen benötigt.“ So lassen sich anhand der gesammelten Niederschlagsdaten Flusshochwasser und deren Höhe vorhersagen oder auch ermitteln, welches Wetter zum Zeitpunkt eines Versicherungsschadens geherrscht hat. „Wir können zum Beispiel mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, ob zu einem bestimmten Zeitpunkt Aquaplaning an einem Ort geherrscht hat“, sagt Deuber.

Außerdem lassen sich auch Aussagen über die Verteilung der Niederschläge über das Jahr treffen und welche Veränderungen es in diesem Bereich über die Jahre gegeben hat. „Dort sind vor allem Wetterstationen wichtig, die schon über einen langen Zeitraum betrieben werden“, sagt Deuber. So wie die Bienenbütteler Messstation, die seit 1948 kontinuierlich Daten liefert.

Ehrenamtlicher Wetterbeobachter kann laut Deuber jeder werden. „Wir suchen eigentlich immer“, sagt er. So etwa auch für Bad Bodenteich. Was benötigt wird, ist eine freie, unbefestigte Fläche mit ausreichend Abstand zur Bebauung und Bäumen. „Die Regel ist: Jedes Hindernis muss doppelt so weit entfernt sein, wie es hoch ist. Bei einer 25 Meter hohen Eiche also 50 Meter“, erklärt Deuber. Ansonsten könnte der Baum die Messung verfälschen, indem etwa nachträglich Schnee aus der Krone ins Messgerät geweht wird.

Man schaue sich jeden möglichen Standort zumindest einmal auf Satellitenaufnahmen an, um ihn zu überprüfen.

VON LARS LOHMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare