Dauerregen und nasse Äcker verzögern die Rodung der Flächen

Bargdorf: Kartoffelernte bis in den November

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Vier Nationalitäten bewältigen gemeinsam die Kartoffelernte bei Landwirt Hans-Wilhelm Giere. 

Bargdorf – Auf dem Hof von Hans-Wilhelm Giere in Bargdorf geht es bei der Kartoffelernte international zu. Feste Mitarbeiter aus der Schweiz, Polen, den Niederlanden und Deutschland sowie zwei Aushilfen aus Polen sind damit beschäftigt, die Ernte einzuholen.

„Mir ist der Austausch mit anderen extrem wichtig“, sagt Giere. Nur so könne Europa funktionieren und zusammenwachsen, indem man den gegenseitigen Kontakt suche.

Hans-Wilhelm Giere, Landwirt

Die Ernte der Stärkekartoffeln selbst ist in Verzug geraten. Der Grund: Anhaltender Regen verhindert, dass auf den Flächen gerodet werden kann. „Der Regen war bitter nötig, aber so viel, dass man nicht auf den Acker kam“, sagt Giere. Normalerweise ist die Ernte von Speisekartoffeln meist bis zum 10. Oktober beendet, weil dann Frost droht, und die Ernte von Stärkekartoffeln Ende Oktober. Jetzt werde man wohl noch bis Ende November Stärkekartoffeln ernten.

Während der Ertrag bei beregneten Flächen bei Stärkekartoffeln noch gut sei, sei er bei unberegneten Flächen katastrophal. So etwa auch in der Altmark, wo Giere Flächen bei Salzwedel bewirtschaftet. Hinzu kommt noch das Risiko des Bodenfrostes, der schon Probleme bei der Lagerung der Kartoffeln in Mieten bereitet hat.

„Mit der Kartoffel kann man noch Geld verdienen“, sagt Giere. Vor allem bei der Herstellung von vegetarischen und veganen Produkten werden Kartoffeleiweiß und Kartoffelstärke eingesetzt. „Das ist ein Markt für die Zukunft, der viele Chancen bietet“, meint der Bargdorfer.

Sorgen bereitet ihm hingegen das Freihandelsabkommen Mercosur mit den Staaten Südamerikas. „Wenn man sieht, wie in Brasilien 15 Pflanzenschutzmittel wieder zugelassen werden, die bei uns schon verboten sind, heißt es am Ende, dass die Waren dort billiger produziert werden“, sagt Giere.

Daher sei es wichtig, dafür zu sorgen, dass Waren, die in die EU importiert werden, unter gleichen Regeln wie in Europa produziert werden. Es müssten gleiche Standards gelten. „Ansonsten haben wir einen klaren Wettbewerbsnachteil“, erklärt Giere. Begründete und sinnvolle Verbote unterstütze er, auch ihn treibe die Sorge um die Umwelt um.

Fehler, die es zweifellos in Europa in der Landwirtschaft gegeben habe, dürften sich in anderen Ländern auch nicht einfach wiederholen. Daher sei ihm immer der Austausch mit Landwirten aus anderen Ländern sehr wichtig.

Seit weit über 30 Jahren bietet Giere daher Praktikumsplätze an. Auf dem Hof in Bargdorf arbeiteten schon Praktikanten aus Brasilien und verschiedenen europäischen Ländern. „Wir sind mit unserem Know-how verpflichtet, etwas zu tun und den Kollegen auf der Welt zu helfen“, sagt der Bargdorfer. Auch sein Betrieb profitiere davon.

VON LARS LOHMANN

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