1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Bienenbüttel/Lüneburg

Autor Martin Gross liest im Gemeindehaus / Raum für Diskussion über Russland

Erstellt:

Von: Theresa Brand

Kommentare

Autor Martin Gross
Martin Gross liest am 3. September im Gemeindehaus Bienenbüttel aus seinem Buch „Ein Winter in Jakuschevsk“. Dabei soll Raum für Fragen und Diskussionen bleiben. © Brand, Theresa

Vor einigen Wochen hat Martin Gross sein Buch „Ein Winter in Jakuschevsk“ veröffentlicht. Der Krieg in der Ukraine verleiht dem Roman eine traurige Aktualität.

Varendorf – „Die Leute, die mich kennen, haben alle gefragt: ,Wie hast du das nur ausgehalten‘“, erzählt Martin Gross. Und die Frage ist nicht ganz abwegig, wenn man liest, wie er bei minus 40 Grad Außentemperatur in einer trostlosen Wohnung mit zugeklebten Fenstern sitzt und sich fragt, wie eine Kooperation zwischen russischer und deutscher Universität bloß funktionieren soll.

Vor zwei Monaten erschien Martin Gross‘ zweites Buch „Ein Winter in Jakuschevsk“, in dem er seinen ersten Aufenthalt im Winter des Krisenjahres 1998/1999 in Russland beschreibt (AZ berichtete). Doch auch schöne Momente, berührende Szenen und herzliche Begegnungen hat der Autor in seinem reportage-artigen Roman verarbeitet.

Nicht lange, bevor das Buch auf dem Markt erschienen ist, begann der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Das verleiht dem Thema eine traurige Aktualität, die Gross am Ende des Romans auch einfließen lässt. Bis heute hat er Kontakte zu russischen Freunden, war bis zum Beginn der Corona-Pandemie häufig dort und versucht zu verstehen, wie die Lage vor Ort ist.

Dieser Kontakt, der Umgang mit Politik und das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen wird auch Thema sein, wenn Gross am 3. September zu einer Lesung im Gemeindehaus Bienenbüttel einlädt, bei der es Raum für Fragen und Diskussionen geben soll. Er selbst verurteile den Krieg zutiefst, versuche zu verstehen, wie es dazu kommen konnte und was er mit der Bevölkerung dort mache. Der Autor berichtet, dass viele Leser erstaunt gewesen seien, wie anders Leben und Mentalität während seines Aufenthaltes in Russland noch waren. In vielen Landesteilen habe sich dies bis heute kaum verändert. Gross selbst ist eine Botschaft, die daraus abgeleitet wird, besonders wichtig: „Ich möchte aufzeigen, was bei der versuchten Annäherung zwischen Russland und dem Westen schiefgelaufen ist“.

Er sieht hier nicht nur Russland in der Verantwortung, vielmehr seien er und andere westlich orientierte Menschen mit falschen Vorstellungen in Aktion getreten. „Ich bin dort angekommen und dachte, ich muss denen jetzt zeigen, wie man richtig unterrichtet“, erklärt er und fügt hinzu: „Es war ein ziemlich überheblicher Versuch, eine Verbindung zu schaffen.“

Heute sei er im Kontakt mit seinen russischen Freunden dennoch oft überrascht, wie schwierig es sei, politische Themen anzusprechen. „Leute, die mir vertraut waren, sind jetzt plötzlich nationalistisch“, erzählt Gross. Es habe ihn schockiert, welche Ansichten bei einigen auftauchten. Viele zeigten sich jedoch – vorsichtig – besorgt. Dies werde jedoch nie direkt gesagt, immer nur über Andeutungen und versteckte Hinweise. „Ich weiß dann genau, ich sollte nicht weiter nachfragen“, beschreibt der Autor den Kontakt.

Zur Zeit arbeitet Gross an seinem nächsten Buch. Darin greift er Fragen auf, die sich aus „Ein Winter in Jakuschevsk“ ergeben und verarbeitet wieder seine eigenen, aktuellen Aufzeichnungen. „Ich schreibe laufend mit, sowohl über die Kriegsgeschehnisse als auch über den Kontakt mit meinen russischen Bekannten“, sagt er.

Erzählt wird in seinem Buch die Geschichte einer Frau, die in ihrer Jugend die Einführung der Marktwirtschaft und die Öffnung für den Westen miterlebt. Wann genau er seinen neuen Roman beendet, kann Gross aber noch nicht genau sagen.

Auch interessant

Kommentare