Landesstraßenbaubehörde stellt die Detailplanung für den zweiten Bauabschnitt vor

A39: Autobahn in Zimmerlautstärke

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Lärmplaner Volker Meyer: Die Autobahn wurde so geplant, dass Lärmschutzmaßnahmen nicht erforderlich sind.

Barendorf. Wie zeichnet man eine Autobahn? Neben Städten und Dörfern, geschützten Tieren und Biotopen mussten die Planer auch das Papier im Blick behalten. Denn so eine Autobahn ist vor allem lang und mäandert von einem Planquadrat ins nächste.

Für den sogenannten Infomarkt in Barendorf haben die Ingenieure deshalb gestern Karte an Karte geheftet, damit die Bürger eine Vorstellung gewinnen, was die 21 Kilometer lange geschwungene Linie des zweiten Bauabschnitts zwischen Lüneburg und Bad Bevensen einmal für sie und die Umwelt bedeuten könnte.

Das erfahren sie etwa am Stand von Volker Meyer. Der Lärmexperte steht vor einer Karte mit unterschiedlichen Farbschattierungen, die sich an der Trasse entlangwinden. „Der Lärm ist ganz stark windabhängig. Bei den Berechnungen wird deshalb immer von der ungünstigsten Situation ausgegangen“, erklärt der Planer. Was seine Kartenausschnitte auch zeigen: Kein Dorf, keine Siedlung im zweiten Abschnitt ist von dem eingezeichneten Lärmband betroffen.

Die Kurve für die Autobahn zeigt aufwärts: Chef-Planerin Annette Padberg und der Leiter der Landesstraßenbaubehörde Lüneburg hoffen, dass der zweite Bauabschnitt der A 39 im Jahr 2025 fertig ist.

Ob das gut ist, müssen die Anwohner für sich entscheiden, denn die eingezeichneten Farben zeigen an, wo Anspruch auf Lärmschutz besteht. Im zweiten Bauabschnitt hat keines der Dörfer Anspruch auf Lärmschutzwälle, -mauern oder -fenster, sagt Meyer auf Nachfrage. „Man soll so planen, dass kein Lärmschutz nötig ist“, ergänzt er. Das ist hier gelungen. Im ersten Abschnitt, wo die Fahrbahn im Lüneburger Stadtteil Moorfeld direkt an Häusern verläuft, bekommt die A 39 einen Lärmschutzdeckel.

Kleine, gelbe Punkte zeigen, wo Meyer und seine Kollegen gerechnet haben. Herausgekommen sind etwa maximal 54 Dezibel für die vordersten Häuser in Wulfstorf, nachts sind es bis zu 50 Dezibel. Ähnlich Edendorf: Dort kommt Meyer auf ebenfalls 54 Dezibel, nachts 49.

Lärm wird unterschiedlich empfunden. Zulässig sind im Dorf bis zu 64 Dezibel, nachts sinkt der Grenzwert auf 54 Dezibel. Was bedeuten die errechneten Werte also für die Dorfbewohner? Laut Meyer entspricht die Lautstärke einem normalen Gespräch oder einem Radio bei Zimmerlautstärke. „Das sind Geräusche, wie sie immer vorhanden sind“, beruhigt der Lärmplaner.

Auch an die Umwelt ist gedacht worden. So wird es auf dem Abschnitt drei jeweils 50 Meter breite Wildbrücken geben. Sie sollen gewährleisten, dass Lebewesen vom Hirsch bis zum Käfer über die Schnellstraße kommen. Dazu wurde die Autobahn auch etwas vom Elbe-Seitenkanal abgerückt, damit die Tiere nicht zwei Hindernisse auf einmal überwinden müssen. Für Fisch und Otter wird die Autobahn außerdem im Bereich des Bienenbütteler Vierenbachstals für 150 Meter aufgeständert.

180 Millionen Euro sollen in den zweiten Bauabschnitt der A 39 fließen. Die ersten Flächenankäufe tätigt die Behörde bereits. Chef-Planerin Annette Padberg vergisst nicht zu betonen, dass auch die Region von der Investition profitieren würde. Bis März 2018 soll der Antrag auf Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens gestellt sein. Der Planfeststellungsbeschluss soll 2020 vorliegen. 2022 könnte Baubeginn sein, die Fertigstellung dann 2025, skizziert sie den Zeitplan. „Natürlich“, betont die stellvertretende Leiterin der Landesstraßenbaubehörde, „hängt das davon ab, wie Haushaltsmittel zur Verfügung stehen und ob die Planungen beklagt werden.“ Eigentlich ist sie aber sicher, dass jemand klagt.

Auf dem Infomarkt, der morgen, Donnerstag, 16 bis 20 Uhr im Bevenser Kurhaus über die Bühne geht und am Montag, 27. November, 16 bis 20 Uhr im Bienenbütteler Rathaus, können sich Bürger an Ständen zu den Themen Straßenentwurf, Immissionsschutz, Umwelt sowie Grunderwerb und Landwirtschaft informieren. Dass die Planer dabei auf bislang nicht bedachte Aspekte hingewiesen werden, glaubt Annette Padberg nicht: „Wir sind sehr sicher, dass wir mit unserer Einschätzung richtig liegen.“

Von Gerhard Sternitzke

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