Traditions-Gasthaus Meyer schließt nach 130 Jahren

Ausverkauf in Hohenbostel: Flohmarkt lockt zahlreiche Interessenten

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Das Interesse ist groß beim Ausverkauf im Gast- und Pensionshaus Meyer. Viele Neugierige besichtigen das aufgestellte Inventar.

Hohenbostel. „Kiek mol wedder in“: Mit diesen Worten, angebracht auf einem großen Schild über der Gartenpforte, wurden die Gäste des Gast- und Pensionshauses Meyer beim Verlassen aufgefordert, doch wieder einmal zurückzukehren, an einen Ort, der 130 Jahre lang in dem kleinen Dorf Hohenbostel bei Bienenbüttel Begegnungsstätte für Jung und Alt war und der nun endgültig für immer seine Pforten schließt.

Heiko Thormann und Sohn Bernd aus Wendisch-Evern freuen sich über Bierkrüge und Schilder aus dem Gasthaus.

Der Aus- und Abverkauf startete am Sonnabend. Unter den Hammer kommen neben der kompletten Geschäftsausstattung auch viele persönliche Dinge, wie beispielsweise ein großes Puppenhaus: „Das hat meine Oma in liebevoller Handarbeit angefertigt. Die Stehlampe im Miniatur-Wohnzimmer wird sogar elektrisch beleuchtet“, erklärt Enkelin Stefanie Meyer und weiß dabei auch, dass es der Oma wehtut, all diese Dinge weggeben zu müssen. Bereits zum Start des Flohmarkts um 10 Uhr ist Hohenbostel zugeparkt. Die Besucher kommen von überall her, das Interesse ist riesengroß. Bert Riecke aus Bienenbüttel hat einen riesigen Holzhammer ergattert. „Der Hammer ist zwar schon wurmstichig, wird aber seinen Platz über meinem Ofen finden“, sagt Riecke. „Ich finde es sehr schade, dass Meyer aufhören muss.“

Noch einmal herrscht Andrang im Gast- und Pensionshaus Meyer in Hohenbostel, das nach 130 Jahren schließt. Fotos: Huchthausen

Schelle Assenheimer aus Wendisch-Evern hat sich die beiden Außenleuchten des Gasthauses für seinen Partykeller gesichert. Auch die Ernennungsurkunde des HSV-Fanclubs „Hohenbosteler Raute“ geht in den Besitz des HSV-Fans über. Heiko Thormann und Sohn Bernd, ebenfalls aus Wendisch-Evern, sind eigentlich Schildersammler. Eine alte Tafel mit Bestimmungen zum Jugendschutz sowie ein Garderobenschild zählen an diesem Vormittag zu ihrer Ausbeute. Aber auch an einigen Bierkrügen vom „Lüneburger Kronenbräu 1485“ kommen die beiden nicht vorbei.

Schelle Assenheimer aus Wendisch-Evern sichert sich die beiden Außenleuchten und die Urkunde des HSV-Fanclubs.

Nico Meyer aus Berlin, nicht verwandt oder verschwägert mit der Inhaberfamilie, ist zu Besuch bei seiner Schwester in Hohenbostel: „Ich kenne das Gasthaus sehr gut und habe hier auch schon persönlich gefeiert – da stirbt jetzt wirklich etwas in diesem Ort.“ Auf dem Flohmarkt hat er eine alte Blechdose voller Knöpfe entdeckt: „Meine Frau ist schon lange auf der Suche nach Knöpfen, so was gibt es in ganz Berlin nicht mehr zu kaufen.“ Die Familie Meyer hat derweil alle Hände voll mit Verkaufen und Erklären zu tun. Um so manches Stück wird hartnäckig gefeilscht.

Von Oliver Huchthausen

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