16 Schüler pauken bei Guido Kiesewetter in Bienenbüttel momentan für ihren Jagdschein

„Aus Interesse an der Natur“

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Ob Trauerente, wie sie Guido Kiesewetter in den Händen hält, oder Dachs und Kanadagans – wer den Jagdschein macht, muss sich ausgiebig mit der heimischen Tierwelt beschäftigen.

Bienenbüttel/Landkreis. Sie müssen wissen, was eine Abwurfstange ist, was ein Jagdhund macht, wenn er knautscht, und was gemeint ist, wenn Tiere eine Losung hinterlassen.

16 Jagdschüler lernen gerade in Bienenbüttel bei Guido Kiesewetter alles, was sie für einen Jagdschein wissen sollten – von der Jägersprache bis zum richtigen Umgang mit der Waffe.

„Ich mache es vor allem aus Interesse an der Natur“, sagt Christiane Blecker, über den Grund, warum sie den Jagdschein machen will. Sie selbst hat keine aktiven Jäger in der Familie. Außerdem sei die Natur aus dem Gleichgewicht geraten, und der Mensch müsse eingreifen, um es wieder herzustellen. Es sei eben eine Kulturlandschaft, in der die Natur nicht alles selbst regeln könne. „Daher sind mir Hege und Pflege von Flora und Fauna sehr wichtig“, sagt Christiane Blecker.

Jäger verbringen laut Kiesewetter nur einen Bruchteil ihrer Zeit mit dem Schießen von Wild. „Wenn es hochkommt, sind es zehn Stück Wild, die im Jahr geschossen werden.“ Die Mehrzahl der Tage verbringe ein Jäger damit, Schäden zu verhindern, Duftspuren auszubringen, um Wildschweine von Feldern wegzuhalten oder Wildwiesen auszusäen, die für eine Vielzahl von Insekten und andere Tiere wichtig seien.

„Das Schießen ist nur ein kleiner Teil in der Ausbildung“, sagt Guido Kiesewetter. Vorschriften im Umgang mit erlegtem Wild, Verhaltensregeln bei der Jagd und eine ausgeprägte Wildtierkunde – von der schwarzgefiederten Trauerente bis zum Marderhund – sind auch Teil des Jagdscheins. Vor allem auf Sicherheit bei allem rund um die Jagd werde großer Wert gelegt. „Sicherheit geht vor. Schießen ist nachrangig“, betont Kiesewetter. Insgesamt sei die Ausbildung sehr komplex. Im Gegensatz zu früher. „Früher war die Ausbildung noch nicht so gut und man hat über manche Fehler hinweggesehen. Das ist heute anders“, so der Ausbilder.

Von der komplexen Materie lassen sich Kathrin Uffmann und ihr Sohn aber nicht abschrecken. Ihnen liegt die Jagd sozusagen im Blut: Schon Kathrin Uffmanns Großvater war Jäger, ihr Schwiegervater ist aktiver Jäger und ihr Mann besitzt auch den Jagdschein. „Ich sehe die Jagd als etwas Rundes und Ganzheitliches an“, sagt die Landwirtin. Es gehe nicht darum, einfach nur Tiere zu erlegen. Sie würde zum Beispiel nie ein Rebhuhn schießen, sondern sich über den Anblick des Vogels freuen. Anderer Tiere wie Wildschweine, die inzwischen überhandgenommen hätten, müssten aber aktiv bejagt werden.

Die Kritik von Umweltschützern an Jägern, dass die Jagd unnötig und Tierquälerei sei, können weder Kiesewetter noch Kathrin Uffmann und Christiane Blecker verstehen. „Wenn man sieht, wie Tiere heutzutage manchmal gehalten werden, müsste jeder, der kein Vegetarier oder Veganer ist, sich erstmal selbst anschauen“, findet Christiane Blecker. Wild sei gutes, gesundes Fleisch und kein Tier werde unnötig gequält. Wer die Jäger kritisiere, solle sich mit dem Thema auch ernsthaft auseinandersetzen – indem er an einem Jagdkurs teilnehme.

Von Lars Lohmann

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