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Jäger ziehen Rebhühner und Fasane für einen sicheren Bestand auf

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Von: Theresa Brand

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Küken unter Wärmelampe
Bis sie etwa acht Wochen alt sind, leben die Küken in einer großen Wärmekiste. Zu Fressen bekommen sie unter anderem Mehlwürmer, denn Rebhühner ernähren sich überwiegend von Insekten. © Theresa Brand

 In den letzten Jahren haben sich die Bestände von Rebhühnern und Fasanen drastisch verringert. Um wieder mehr von ihnen in der Region anzusiedeln, zieht die Jägerschaft Uelzen Tiere zur Auswilderung heran.

Bornsen – Auf einmal herrscht großes Gewusel vor dem Gitter, denn Heinrich Hellbrügge hat einen großen Beutel in der Hand. „Die kennen das schon“, sagt er und schüttet ein paar Mehlwürmer in das Gehege. Sofort fangen die Küken an zu picken. Sie sollen später in freier Wildbahn leben und so langfristig den Bestand der Feldhühner, speziell der Rebhühner und Fasane, in der Region sichern.

Auf dem Hof von Heinrich Hellbrügge in Bornsen befindet sich die erste von mehreren Stationen des Feldhuhn- und Brüterprojekts der Kreisjägerschaft Uelzen. Hier werden zunächst die befruchteten Eier ausgebrütet.

Dabei handelt es sich zu einem großen Teil um sogenannte „autochthone“ Gelege: Die Eier stammen nicht von gezüchteten Tieren, sondern sind von wilden Feldhühnern und deren Nachkommen aus dem Projekt. Ab und zu kommt es vor, dass Leute verlassene Gelege an Wegeseitenrändern finden und abgeben, erzählt Heinrich Hellbrügge.

„Es ist eine Art Kindergarten“


In einem Vorbrüter liegen die Eier dann etwa 24 Tage, bis die Küken im Inneren anfangen, die Schale anzupicken. Dann werden sie in den Schlupfbrüter gelegt, in dem die Feldhühner endgültig schlüpfen. Von dort geht es weiter in eine der Wärmekisten, in denen sie vor Fressfeinden geschützt unter wärmenden Rotlichtlampen ihre ersten 14 Tage verbringen. Gefüttert werden sie hier mit einer Mischung aus Fertigfutter für Putenküken, lebenden Mehlwürmern, Eipulver sowie Trockeninsekten. Bis zur achten Lebenswoche dürfen die Küken in einen Freilaufstall, in dem sie noch unter einer Wärmelampe geschützt weiter wachsen.

„Es ist eine Art Kindergarten“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende der Jägerschaft des Landkreises Uelzen Bettina Heukamp. „Erst dann geht es weiter in die Auswilderungsvoliere“. Von dort werden die Feldhühner mit etwa 16 Wochen in die Freiheit entlassen. Wichtig sei hier, dass jeweils zwei Volieren mit zwei Tieren im Abstand von 200 Metern aufgebaut sind. Sie müssen lernen, auch über Entfernung hinweg zu kommunizieren.

Ziel ist eine stabile Population

„Unser Ziel ist eine Population von Feldhühnern in der Region, die sich selber tragen kann“, sagt Bettina Heukamp. Bis es so weit sei, dauere es aber noch rund acht Jahre. Denn der Bestand an Rebhühnern ist drastisch zurückgegangen. Laut Bettina Heukamp ist die Ansiedelung in der Region nur durch die Biotopgestaltung möglich. Feldhühner benötigen Hecken und Blühstreifen, besonders solche, die früh im Jahr blühen. Leider komme es häufig vor, dass die Streifen und Ränder zu früh gemäht werden. Das sei eine große Gefahr für Tiere und Gelege.

Heinrich Hellbrügge kann bereits Erfolge vorweisen. Mittlerweile gibt es im Verband 20 Glucken, die anstelle der Brüter die Eier ausbrüten. Das bedeute weniger Aufwand, da die Küken so auf natürlichere Art schlüpften. Eine richtige Zucht soll aber nicht entstehen, denn durch lange Gefangenschaft und Domestizierung verschwinden einige Eigenschaften der Wildtiere, die erhalten bleiben müssen. So brüten die Vögel beispielsweise erst viel später, sind auf Fressfeinde besser vorbereitet und verstecken ihre Nester. Tun sie das nicht, ist das Überleben der nächsten Generationen nach der Auswilderung sehr unwahrscheinlich. Damit der Genpol gesichert ist, führt Heinrich Hellbrügge außerdem akribisch Buch. Jedes Ei wird nummeriert, damit keine Verwechslung passieren kann.

Feldhühner brauchen Unterstützung


Insgesamt gibt es im Kreis Uelzen 15 Elternpaare für Rebhühner und 34 für Fasane. Neben der Brut-, Schlupf- und Kükenstation in Bornsen gibt es eine „Kindergarten-Station“ in Gollern, die Hubertus Grau betreut. Die Auswilderungsvolieren sind in Varendorf bei Wolfgang Schütte und Torsten Lüneburg aufgebaut, ebenso eine Außenfütterungsschütte für die Fasane. Elternvolieren für Rebhühner befinden sich in Nassennottorf bei Heinrich Albers.
So versucht die Kreisjägerschaft, die Feldhühner zu einer stabilen Population zu führen, denn für Heinrich Hellbrügge steht fest: „Wenn wir es nicht schaffen, das Rebhuhn zu unterstützen, dann ist es bald weg.“

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