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Auffangstation in Wulfstorf kümmert sich seit 1994 um Vierbeiner in Not

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Von: Jannis Wiepcke

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Heike Otter und Heidi Gäthje kümmern sich in Wulfstorf auch um drei Malamutes.
Heike Otter (rechts) und Heidi Gäthje kümmern sich in Wulfstorf auch um diese drei Malamutes. © Wiepcke, Jannis

Seit 1994 kümmert sich die Polarhundstation in Wulfstorf um Husky, Alaskan Malamute und Co. Bedingt durch dubiose Tiervermittler und ahnungslose Halter hat sich das Aufkommen in den vergangenen Jahren noch einmal deutlich vergrößert.

Wulfstorf - Wedelnd und winselnd werfen sich die Geschwister Nisha, X-Man und Loui an die Gitterstäbe ihres Zwingers, um „Ersatzfrauchen“ Heike Otter beim Rundgang durch die Anlage zu begrüßen. Die drei Alaskan Malamutes gehören ganz offensichtlich zu den zutraulichsten Polarhunden, die derzeit in der Auffangstation in Wulfstorf leben. Auf der anderen Seite gibt es dort aber auch solche wie Nikita, der “ein bisschen vor Männern Angst hat“ oder den blinden Nashoba, den Tierfreundin Otter aufgrund seiner äußeren Erscheinung als schwer vermittelbar bezeichnet – und das, obwohl sich seine Behinderung im Alltag kaum bemerkbar macht.

So unterschiedlich die Schicksale, Wesensarten und Anforderungsprofile der Vierbeiner auch sind: Alle eint die Hoffnung auf ein neues Zuhause mit einem liebevollen Halter. Dafür setzen sich die rund 15 Mitglieder des Vereins Nothilfe Polarhunde Nord seit 1994 ein. Ein Ende ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bahnt sich zu ihrem Bedauern nicht an.

„Die Corona-Zeit haben wir nicht so sehr gespürt, wir merken aber, dass es in letzter Zeit deutlich mehr Anfragen für Hunde gibt, die bei uns abgegeben werden sollen“, erklärt Otter. Schuld daran tragen sowohl dubiose Vermittler, die für das schnelle Geschäft das Wohl der Tiere aufs Spiel setzen, als auch die Halter, die sich vor dem Kauf nicht ausreichend über die Eigenarten von Husky, Akita und Co. informieren: „Die Leute wollen einen billigen Rasse-Hund haben und gucken dann leider zuerst auf den Anzeigeportalen im Internet.“

Als Konsequenz dieses Verhaltens arbeitet der Verein derzeit fast am Limit. 13 Hunde sind in den Zwingern untergebracht, für einen weiteren ist noch Platz. Obwohl deutlich größerer Bedarf besteht, hat man sich hier bewusst für diese Grenze entschieden. „Unser Anspruch ist, dass jeder Hund einmal am Tag rauskommt“, erklärt Otter. Durch die täglichen Spaziergänge gewinnen die Mitglieder Informationen, die für die potenziellen Adoptanten und eine erfolgreiche Vermittlung von hoher Bedeutung sind. Besitzt der Hund einen ausgeprägten Jagdtrieb? Wie steht es um seine Leinenführigkeit? Diese Fragen lassen sich nicht beantworten, wenn die Tiere nur im Käfig gehalten werden.

Der akribischen Arbeit der Mitglieder ist es auch zu verdanken, dass es nach der Abgabe nur in den wenigsten Fällen zu einer Rückvermittlung kommt, zu der der Verein verpflichtet ist. Trotzdem gehe die Anzahl der Vermittlung insgesamt zurück, berichtet Otter, denn die Ansprüche der Halter seien gestiegen. Viele würden voraussetzen, „dass der Hund funktioniert“, stubenrein ist und sich nahtlos in den Familienverbund einfügt. Das könne man aber gerade bei Polarhunden unmöglich garantieren.

Über Huskies und Malamutes sagt die Tierfreundin: „Das sind sehr unabhängige Hunde“. Im Gegensatz zu anderen Rassen verfügen sie ihrzufolge nicht über das Bedürfnis, sich ihrem Besitzer komplett unterzuordnen. Ihr Vertrauen müsse man sich erarbeiten – diese „katzenartige“ Charaktereigenschaft übe auf sie und die anderen Mitglieder aber auch eine unheimliche Faszination aus. Zudem seien Polarhunde gleichzeitig in der Lage, viele Dinge zu lernen und sich auf neue Situation einzustellen und daher zu Unrecht als besonders schwierige Hundeart bekannt.

Aber: Viele Halter bedenken nicht, dass die Tiere nach dem Kauf in einem ungewohnten Umfeld auch ein anderes Verhalten als im Zwinger an den Tag legen könnten, erklärt Otter. Und auch aus diesem Grund wird den Ehrenamtlichen die Arbeit in den nächsten Jahren wohl nicht ausgehen. „Die Zeiten sind schlechter geworden“, meint sie.

Die Spendenbereitschaft der Menschen ist jedoch glücklicherweise auch nicht zurückgegangen. Schutzgebühren und Patenschaften sind ein wichtiger Faktor für den Erhalt der Vereinsarbeit. Zu Weihnachten durften sich die Mitglieder über Spenden im Bereich von 50 bis 300 Euro freuen, von denen hochwertiges Futter für die Tiere angeschafft werden konnte. Und durch einen Vertrag mit dem Tierarzt können die Hunde trotz neuer Gebührenordnung zum einfachen Gebührensatz behandelt werden.

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