Artenschutz: 187 000 kleine Aale im Fluss ausgesetzt – Landwirtschaftskammer koordiniert Besatzaktion in Bleckede

Aus dem Atlantik zurück in die Mittelelbe

Volkmar Hinz, Leiter des Fachbereichs Fischerei bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, begutachtet einige der rund 187 000 Jungaale, die in der Elbe ausgesetzt werden.
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Volkmar Hinz, Leiter des Fachbereichs Fischerei bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, begutachtet einige der rund 187 000 Jungaale, die in der Elbe ausgesetzt werden.

Bleckede. Sie messen etwa zehn bis 20 Zentimeter, sind nur drei Gramm schwer und die große Hoffnung von Elb-anrainern sowie Forschern: Mit Hilfe von Jungaalen soll der erheblich geschrumpfte Aalbestand in der Elbe wieder aufgebaut werden.

Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer, Fischer und zahlreiche Helfer der Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei haben von Bleckede aus am Elbufer sowie in mehreren Nebengewässern 560 Kilogramm der Jungfische ausgesetzt. Insgesamt waren es rund 187 000 Tiere. Die Landwirtschaftskammer koordiniert die Besatzaktion zum zwölften Mal.

Als winzige Glasaale wurden die Tiere schonend an der französischen Atlantikküste gefangen, in Aalfarmen zwei bis drei Monate aufgezogen und gestern mit einem Kühltransporter nach Bleckede gebracht. Entlang des Ufers der Elbe, in den Elb-Altarmen und in Nebengewässern wie Krainke und Jeetzel wachsen die Jungaale in natürlicher Umgebung auf und können später als erwachsene Tiere die Elbe in Richtung ihres Laichgebietes im Atlantik wieder verlassen.

Der Elbestrom eignet sich besonders gut für Aale: Die Wasserqualität hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten ständig verbessert. Mit dem Wehr in Geesthacht existiert auf dem Weg zum Meer nur ein Absperrbauwerk. Und dort erleichtert je ein Fischpass an Ufern den Weg der Aale in ihr Laichgebiet.

Der europäische Aal – wissenschaftlicher Name: Anguilla anguilla – gibt der Wissenschaft viele Rätsel auf. Im Gegensatz zu anderen Speisefischen ist es bisher nicht gelungen, ihn nachzuzüchten. Der Aal laicht in der Sargassosee, das ist ein Meeresgebiet im Atlantik östlich Floridas und südlich der Bermuda-Inseln. Wo genau er dort laicht, ist unbekannt. Eier und Larven, die weniger als 14 Tage alt sind, wurden bisher nicht entdeckt. Die durchsichtigen, weidenblattartigen Larven werden vom Golfstrom nach Osten verdriftet, erreichen nach etwa zwei Jahren die europäischen Küsten und entwickeln sich zu Glasaalen.

Gelingt es ihnen, die Flusssysteme hinaufzuziehen, werden die kleinen Aale durch Pigmentierung dunkel. Die Oberläufe der Flüsse sind ihre Aufwuchsgebiete, die sie nach sechs bis zwölf Jahren als erwachsene Aale verlassen, um wieder über die Nordsee und quer über den Atlantik zum Laichgebiet zu wandern.

Die Bestände des europäischen Aals sind überall in Europa seit Jahrzehnten erheblich zurückgegangen. Forscher diskutieren ungefähr ein Dutzend verschiedene Ursachen, darunter klimatische Veränderungen, die Fischerei, Parasiten, natürliche Feinde wie die Vogelart Kormoran sowie Wasserbauwerke, die die natürliche Wanderungsbewegung der Aale stören.

Die Kosten der Besatz-Aktion liegen bei 43 000 Euro. Hiervon werden etwa 60 Prozent vom Europäischen Meeres- und Fischereifonds sowie vom Land Niedersachsen getragen. Den verbleibenden Eigenanteil von 40 Prozent erbringen Fischer, Angler, Fischereirechtsinhaber und weitere Förderer, die sich in der Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei (GI-Elbe) zusammengeschlossen haben.

2009 wurde der europäische Aal im Zuge des Washingtoner Artenschutzabkommens auf die Liste bedrohter Tiere gesetzt. Der Erfolg der Besatzaktionen lässt sich nach Ansicht von Wissenschaftlern frühestens in einigen Jahren abschätzen.

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