Bienenbüttel: Gut besuchte Infoveranstaltung zur Siedlungsentwicklung / Viele Fragen und Kritik

Angst vor zweitem Wellbruch II

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Im Baugebiet Wellbruch II in Steddorf stehen viele Häuser, die an Stadtvillen erinnern. Mehrere Bienenbütteler Anwohner äußerten nun bei der Infoveranstaltung zur Siedlungsentwicklung ihre Bedenken, neue Baugebiete könnten ähnlich aussehen. 

Bienenbüttel. „Ich bin entsetzt, ich finde das ganz erschreckend“, schimpft eine Steddorferin, die nicht namentlich genannt werden will.

Dass nun womöglich gegenüber des Steddorfer Baugebietes Wellbruch II, dessen Erscheinungsbild sie als „Legoland-ähnlich“ bezeichnet, auf rund 98 000 Quadratmetern ein weiteres entstehen soll, ärgert sie. Ihnen sei – als Wellbruch II geplant wurde – versprochen worden, dass gegenüber niemals gebaut werde. „Dahinter sind noch Felder, wann hört das denn auf?“.

Sie ist am Donnerstagabend nicht die Einzige, die auf der gut besuchten Informationsveranstaltung der Gemeinde Bienenbüttel zu den Zwischenergebnissen des Arbeitskreises Flächennutzungsplanung Kritik äußert. „Wie kommt die Verwaltung darauf, dass durch neue Baugebiete die Einnahmen kontinuierlich steigen?“, will Bert Rieke aus Bienenbüttel wissen.

„Wir gehen davon aus, weil es in der Vergangenheit geklappt hat“, entgegnet Bürgermeister Dr. Merlin Franke. Neue Baugebiete hätten in Bienenbüttel immer auch Impulse gegeben. Als Beispiele nennt er unter anderem die Schwimmbaderweiterung und die Parkplätze am Bahnhof. Der Wunsch nach mehr Infrastruktur sei in der Bevölkerung stark ausgeprägt, erklärt Franke: „Das ist im Moment aber nicht leistbar.“

Er habe bei vielen Hausbesuchen den Wunsch gehört, im Alter vom Dorf direkt nach Bienenbüttel zu ziehen, berichtet Pastor Jürgen Bade: „Gibt es da Überlegungen in Sachen Mietwohnraum?“ In die gleiche Kerbe schlägt auch Petra Andreas-Siller aus Wichmannsburg: „Ich wünsche mir, dass Bienenbüttel nicht zu einer Einheitsgemeinde nur für Besserverdienende wird.“ Wo könnten Rentner im Alter bezahlbare Wohnungen finden, fragt sie.

Es gebe mehrere Investoren, die Wohnungen in Bienenbüttel schaffen wollen, antwortet der Verwaltungschef. Da sei aber noch nichts spruchreif. „Ich gehe davon aus, dass in den nächsten drei, vier Jahren genauso viele Wohnungen wie Wohnhäuser in der Einheitsgemeinde gebaut werden.“ Grundsätzlich gehe es um nachhaltiges Wachstum und nicht darum, auf einen Schlag 100 Bauplätze auszuweisen. Die Flächen sollen nicht alle auf einmal umgesetzt werden, sondern vielleicht innerhalb der nächsten zehn Jahre.

„Würde man denn mit der präsentierten Konstellation für zehn Jahre hinkommen, oder steht man in drei, vier Jahren vor dem gleichen Problem?“, fragt Detlef Pfanne aus Hohenbostel. Die klare Antwort des Bürgermeisters: „Ich glaube, dass es sogar zu viele Flächen sind.“

Ein ähnliches Bild wie im Baugebiet Wellbruch II mit an Stadtvillen erinnernden Häusern befürchten die Riester, berichtet Hans-Hinrich Harms: „Was bei uns brodelt, ist deshalb die Frage, wie die Bebauungspläne aussehen.“ Die Riester und auch alle übrigen Bürger könnten sich entspannen, sagt Franke: „Bevor irgendwelche Pläne geschrieben werden, wollen wir in die Dörfer kommen und mit den Bewohnern sprechen.“ Letztlich werde es wohl einen Mittelweg geben. Die Entscheidung liege aber bei den 18 Ratsmitgliedern.

Von Florian Beye

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