Waldkindergarten Bienenbüttel will keinen Zaun / Kinder kennen Verhaltensregeln

Wer hat Angst vor dem Wolf?

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Die Waldbienen haben keine Angst vor Isegrim, und sie können sogar heulen wie die Wölfe. Das Pappmodell von Isegrim stammt von einem Projekt im vorigen Winter.

Grünhagen. Der Wolf rückt den Menschen auf den Pelz. In Goldenstedt im Landkreis Vechta wollte jetzt der Bürgermeister vom Umweltministerium wissen, ob er den dortigen Waldkindergarten lieber einzäunen sollte.

Isegrim war mehrmals in der Nähe von Wohnhäusern gesichtet worden – in kleinen Dörfern im Westen des Landkreises Uelzen keine Seltenheit. Die Erzieher des Waldkindergartens Bienenbüttel machen sich dennoch keine Sorgen.

Hinter einem Hügel ist Kindergeschrei zu hören. Dort, wo sich Has’ und Fuchs Gut’ Nacht sagen, ein gutes Stück von Grünhagen entfernt, stehen die Bauwagen der Waldbienen. Angst haben die Kleinen nicht. Im Gegenteil, sie kennen den Wolf seit einem Projekt im vorigen Winter genau und streicheln dem lebensgroßen Pappmodell liebevoll über das fotografierte Fell.

„Der ist so lang wie sieben Kinder und so schwer wie drei Kinder“, berichten die Waldbienen. „Und dass er richtig viel frisst“, weiß die sechsjährige Greta. „Schweine, Rehe, Hirsche, Schafe“, zählt Lasse (5) auf. Einmal haben die Kinder sogar ein gerissenes Reh entdeckt. Sie selbst haben keine Angst vor Isegrim: „Für den Menschen ist der nicht gefährlich“, sagt Greta bestimmt. „Der rennt weg.“ Laut singen und stehen bleiben sei die richtige Verhaltensweise, wenn ihnen der Wolf wirklich einmal über den Weg läuft.

„Ich gehe erstmal davon aus, dass der Mensch nicht ins Beuteschema des Wolfs passt“, meint Erzieher Norbert Adick. „Und die Kinder sind ja nicht allein im Wald.“ Zusammen mit Erzieherin Claudia Mainz und Praktikantin Nadja Sander betreut er die 15 Kinder. Nachdem im Oktober 2013 ein Wolf auf einer Weide bei Grünhagen 15 Schafe gerissen hatte, reagierte der Waldkindergarten mit einem Projekt auf die Sorgen der Eltern. Wolfsberater Uwe Martens aus Embsen zeigte den Kindern die Spuren des Wolfs. Von ihm stammt auch der Wolf aus Pappe.

Der Goldenstedter Bürgermeister Willibald Meyer war verunsichert, was mit seinem Waldkindergarten geschehen sollte. Laut der Deutschen Presse-Agentur reichten die Expertenmeinungen von dringenden Warnungen bis zu einem „Kuschelkurs“. Am Freitag antwortete Almut Kottwitz aus dem Niedersächsischen Umweltministerium: „Dem Umweltministerium liegen aktuell keine Informationen für eine besondere Gefährdung von Kindern in Waldkindergärten durch Wölfe vor“, heißt es in dem Schreiben. „Da bislang kein auffälliges Verhalten des Wolfs in Ihrer Region dokumentiert wurde, besteht aus Sicht des Umweltministeriums aktuell kein Anlass, den Betrieb des Kindergartens einzuschränken.“ Wenn die Bedenken der Eltern zu groß seien, könne dem aber mit einem Zaun Rechnung getragen werden.

Erzieher Adick hält nichts von Zäunen. Und seine Kollegin Claudia Mainz sagt: „Ich hab’ persönlich mehr Angst vor Bachen mit Frischlingen als vor dem Wolf.“ Sollte doch einmal der Wolf auftauchen, gelte: Nicht weglaufen, Lärm machen, langsam zurückziehen, so Adick: „Man hat keine hundertprozentige Sicherheit. Die gibt es im Hauskindergarten auch nicht.“

Von Gerhard Sternitzke

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