Dritter Prozesstag: Bienenbütteler fällt durch Entgleisungen auf

Intensivtäter aus Bienenbüttel (71 Anklagepunkte) stürmt aus dem Gerichtssaal

Ein Metronom hält auf der Fahrt nach Hamburg Hauptbahnhof am Bahnhof in Bienenbüttel.
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Schon häufiger sei der Bienenbütteler im Metronom aufgefallen und habe die Fahrgäste belästigt, berichtete gestern eine Fahrgastbetreuerin des Zugunternehmens im Zeugenstand.
  • Daniel Bieling
    vonDaniel Bieling
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Bienenbüttel/Uelzen – Der Prozess gegen den Bienenbütteler, der in 71 Punkten angeklagt ist, ging mit einem Vernehmungsmarathon von Zeugen in die nächste Runde. Elf Zeugen äußerten sich im Uelzener Amtsgericht zu den Taten, die dem Bienenbütteler zur Last gelegt werden.

So berichtete unter anderem eine Fahrgastbetreuerin des Metronom von einem Vorfall im Juli 2020. Der Angeklagte sei in Lüneburg trotz Fahrverbots in den Zug gestiegen. „Ich habe versucht, ihn am Einsteigen zu hindern“, sagte die Betreuerin, was ihr aber nicht gelungen sei, „weil er sehr flink ist“. Schließlich sei der Angeklagte im Fahrradwagen gefunden worden. Er habe keine Maske getragen und sich sehr aggressiv verhalten. „Dann fing er mit seinen üblichen Beschimpfungen an“, so die Zeugin. Zum Beispiel habe er gedroht, „er werde alle platt machen“.

Schon häufiger habe der Angeklagte Fahrgäste belästigt, sagte die Zugbetreuerin. Da es schwierig sei, im Zug die Polizei zu erreichen, könne man meist nur versuchen, zu deeskalieren. „Manchmal ist er sehr aggressiv. Da kann man richtig Angst bekommen“, so die Zeugin.

Angst bekam auch eine Münchener Studentin. Der Angeklagte habe ihr in einem Supermarkt in Lüneburg an den Po gefasst. „Das war mehr als eine flüchtige Berührung“, schilderte die Zeugin. „Ich war erst mal total unter Schock.“

Stimmung kippt nach der Mittagspause

Wie an den anderen Prozesstagen zuvor fiel der Bienenbütteler auch jetzt wieder durch zahlreiche Zwischenrufe auf. Die Stimmung kippte dann nach der Mittagspause. Zunächst reagierte der Angeklagte, der nach eigener Aussage in der Pause zwei Bier getrunken hat, nicht auf die Aufforderungen von Richter Jacobs, die Kopfhörer abzunehmen und seine Musik auszumachen. Schließlich war die Vernehmung einer Zeugin aufgrund von ununterbrochenen Zwischenrufen des Bienenbüttelers nicht weiter möglich, weshalb ihm ein Ordnungsgeld von 50 Euro auferlegt wurde. Der Angeklagte wurde daraufhin zornig: „Ich zahle das nicht. Ich gehe ins Gefängnis. Ich mache das gern.“

Später dann eine erneute Stimmungsschwankung: Plötzlich fing der Angeklagte an, zu brüllen und zu weinen und stürmte Hals über Kopf aus dem Gerichtssaal. Die Verhandlung wurde zunächst unterbrochen, bis Richter Jacobs beschloss, ohne den Angeklagten fortzufahren. Dieser tauchte nach einigen Minuten jedoch wieder auf und hatte sich in der Zwischenzeit beruhigt.

Die Ruhe hielt jedoch nicht lange. Inmitten einer weiteren Zeugenbefragung wurde der Angeklagte erneut laut und wütend. „Ich will in mein Land zurück. Ihr seid nicht meine Regierung“, brüllte er. Er habe „keinen Bock“ mehr auf die Gesetze. Und an Richter Jacobs gewandt fügte er hinzu: „Du kannst nicht über mich bestimmen. Nur Gott kann über mich bestimmen.“

Aufgrund der Vielzahl an Zeugenberichten konnte das Gutachten über den psychischen Zustand des Angeklagten noch nicht vorgelegt werden. Auch ein Urteil war noch nicht möglich. Der Prozess wird am 15. Juni um 13 Uhr fortgesetzt.

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