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Am kommenden Wochenende findet das erste Blindentennis-Turnier in Lüneburg statt

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Von: Theresa Brand

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Kirstin Linck spielt Blindentennis
Kirstin Linck spielt seit 2019 Blindentennis. Nun hat sie mit dem THC Lüneburg ein Turnier organisiert, bei den Besucher selbst einmal Blinden- oder Rollstuhltennis ausprobieren können. © Privat

Kirstin Linck spielt seit Jahren Blindentennis. Kommendes Wochenende findet das erste Blindentennis-Turnier in Lüneburg statt, bei dem Besucher die Sportart auch selbst probieren können.

Lüneburg – Klack, klack, klackklackklack... So klingt es, wenn Kirstin Linck Tennis spielt – denn ohne ihr Gehör könnte die Lüneburgerin den Ball nicht zurück über das Netz schlagen. Für viele kaum vorstellbar, aber sie spielt leidenschaftlich Blindentennis und tritt bei Turnieren gegen andere Menschen mit Sehbeeinträchtigung an. Nun hat sie gemeinsam mit dem THC Lüneburg ein Blindentennis-Turnier organisiert: Am 20. und 21. August treten dort Spielerinnen und Spieler aus ganz Deutschland gegeneinander an.

Die Regeln beim Blindentennis sind nur geringfügig anders als beim herkömmlichen Tennis. „Wir spielen auf dem sogenannten Mini-Court, das Feld ist also etwas kleiner“, erklärt Linck. Die Linien sind dabei etwas erhaben, sodass die Spieler sie mit den Füßen ertasten können. „Da haben wir lange überlegt und ausprobiert, wie wir das beim Turnier umsetzen können“, erzählt die Pressewartin der Vereins, Hannah Jacobmeyer. Nach einigen Versuchen mit Treppenmarkierungen und Teppichresten sind sie schließlich auf Lkw-Spanngurte gekommen: Die werden am Boden festgenagelt. „Das war echt eine Kunst“, sagt Linck, „man darf über die Linien nicht stolpern, muss sie aber gut spüren können“.

Gespielt wird mit Kinder-Rackets, denn da sie kürzer und leichter sind, ist der Abstand zwischen Hand und Ball geringer. Das macht es einfacher, den Ball zu treffen.

Das Entscheidende sind aber die Bälle. Sie sind etwa zehn Zentimeter groß und bestehen aus Schaumstoff. Im Inneren befindet sich ein Kunststoffkern mit rasselnden Metallstäben. Beim Spiel darf der Ball dann drei Mal auf dem Boden aufschlagen, damit die Spieler sich am Geräusch orientieren können. Vor dem Aufschlag gibt es zudem jedes Mal einen kurzen Dialog: Der aufschlagende Spieler ruft „Ready?“, der Gegner erwidert „Yes“ oder „Play“.

Beim Tennisverein ist Link mittlerweile allseits bekannt. „Wenn ich spiele, kommen immer mal Leute vorbei und gucken ein bisschen zu“, sagt sie und lacht. „Das ist Inklusion: Einfach da sein und Normalität leben.“ Mittlerweile ist sie selbst als Integrationsbeauftragte im Vorstand und hat das Turnier zum großen Teil mitorganisiert.

Für den Verein ist so ein Event Neuland. „Zwischendurch dachten wir manchmal, trauen wir uns das wirklich zu?“, sagt Hannah Jacobmeyer. Denn schließlich muss eine Menge vorbereitet werden und an dem Wochenende selbst brauchen die Ehrenamtlichen viele Helfer, die den Teilnehmern bei der Orientierung helfen.

Schon am Freitag reisen einige Teilnehmer an, um sich vorab mit dem Platz vertraut zu machen. Am Sonnabend geht es dann um 10 Uhr mit den ersten Auswahlspielen los. Ab 12 Uhr haben Besucher dann die Möglichkeit, selbst Blindentennis oder auch Rollstuhltennis auszuprobieren. Dafür kommt an diesem Tag das Inklusionsmobil vom Tennisverband Bremen-Niedersachsen. Am Sonntag spielen dann die Gewinner im Halbfinale und Finale um den ersten Platz.

Eingeteilt werden die Teilnehmer in Kategorien, die sich am Grad der Sehbeeinträchtigung orientieren. B1 bedeutet, dass laut Gesetz komplette Sehbeeinträchtigung vorliegt. Dennoch spielen die Spieler mit Masken, denn auch wenige Prozent Sehkraft machen einen großen Unterschied.

„Für uns ist das ein tolles Experiment und wir freuen uns, wenn viele Besucher kommen“, sagt Jacobmeyer. Und Linck hofft, dass vielleicht der ein oder andere potenzielle neue Gegner auf den Blindentennis aufmerksam wird.

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