Autor Gerhard Henschel liest in Bienenbüttel aus seinem neuen Buch „Erfolgsroman“ vor

Alte Lieben und das WM-Finale

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Gerhard Henschel stellte in Bienenbüttel sein neues Buch „Erfolgsroman“ aus der Martin-Schlosser-Reihe vor. Birgit Schmitz, Verlegerin beim Hamburger Haus Hoffmann und Campe, stellte ihren Autor und weitere Schriftsteller vor. 

Bienenbüttel. Er ist 1962 geboren. Und, so darf man getrost sagen, ein Vielschreiber: der Autor Gerhard Henschel. Bisher hat er 43 Bücher vorgelegt.

Und sein jüngstes – „Erfolgsroman“ aus der Martin-Schlosser-Reihe – stellte er am Freitagabend in der Buchhandlung Patz in Bienenbüttel vor.

Henschels Kunst ist es, das Zeitgeschichtliche mit seiner autobiografischen Romanfigur Martin Schlosser zu verweben. Und es sind, gestützt auf ein umfangreiches Archiv an seinem Wohnort in Klein Bünstorf, auch Chronik-Romane über die eigene Vergangenheit und die Geschichte der Bundesrepublik: „Ich bin gewissermaßen das Familienarchiv. Da muss man natürlich Ordnung halten“, sagt er.

Ja sogar die Romanfiguren in diesem achten Schlosser-Band arbeiten mit. Eine Andrea, mit der Henschel lange liiert war, hat die Erzählungen ausdrücklich freigegeben. Und mit der Autorin Kathrin Passig, selbst später Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin, hat Henschel später nicht nur gemeinsam den ersten Teil der Autobiografie des amerikanischen Musikers Bob Dylan übersetzt, sondern sie in seinem „Erfolgsroman“ auch vorgestellt.

Der jüngste Band endet, als Martin Schlosser 30 Jahre alt ist. Henschel, der die Hoffnung hat, sich irgendwann einzuholen, ist schon in die Arbeit am nächsten Werk eingestiegen. „Alle eineinhalb Jahre“, sagt Gerhard Henschel über sich, „soll ein Buch fertig sein. Schneller geht es nun wirklich nicht.“ Wie wahr, wenn man bedenkt, dass seine Bände mehr als 500 Seiten stark sind.

In Bienenbüttel las Henschel, dem einst als Satire-Autor erste Erfolge glückten, einige Passagen über enttäuschte Lieben, neue Bekanntschaften, seinen Vater und seine Oma. Und Martin Schlosser ist ein scharfsinniger, humorvoller und scharfzüngiger Beobachter, der schon mal gemeinsam mit der Großmutter das WM-Endspiel 1990 im Fernsehen anguckt. Henschel über seinen Protagonisten: „Martin Schlosser war gegen die Wiedervereinigung.“

Birgit Schmitz, Verlegerin beim Hamburger Haus Hoffmann und Campe, nutzte in Bienenbüttel die Gelegenheit, „ihren“ Autoren, den Verlag und weitere Schriftsteller, Projekte und Bände aus dem Verlagsprogramm vorzustellen. In einer Gesprächsrunde zwischen Schmitz und Henschel war schnell klar, dass der Verlag mit weiteren Büchern rechnen darf: „Ich bin, gottlob, verschont geblieben von sogenannten Schreibblockaden“, sagte Henschel.

Birgit Schmitz dürfte das auch als verlegerische Herausforderung aufgenommen haben.

Von Christian Holzgreve

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